Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.07.2017


Bezirk Landeck

„Kosten der Almwirtschaft galoppieren davon“

Die Betreiber der 28 Senner-Almen im Bezirk Landeck stehen vor Herausforderungen bei den Personalkosten. Tourismus, Land und Gemeinden sollen ins Boot geholt werden.

2014 war im Pinnistal eine 45-jährige Deutsche von Kühen attackiert und zu Tode getrampelt worden. (Symbolfoto)

© Thomas Böhm2014 war im Pinnistal eine 45-jährige Deutsche von Kühen attackiert und zu Tode getrampelt worden. (Symbolfoto)



Von Helmut Wenzel

Fließ – Auch wenn die Kuhglocken an Tagen wie diesen kräftig klingen – die Idylle auf den Almen trügt. Bezirksbauernobmann Elmar Monz hat gestern Donnerstag bei der Almtagung der Bauernkammer Landeck auf Gogles (bei Fließ) festgestellt: „Die Kosten der Almwirtschaft galoppieren davon. Es geht vor allem um die Personalkosten. Daher haben wir versucht, Partner für eine Kostenbeteiligung zu gewinnen.“

Nur Fachpersonal sei in der Lage, die hohen Qualitätsstandards bzw. Hygienevorschriften einzuhalten. Der erste Anlauf sei erfolgreich gewesen, schilderte der Bauernchef. Das Beteiligungsmodell sieht so aus: Die Tourismusverbände, Land Tirol und die Gemeinden sollen je ein Drittel der Dienstgeberbeiträge für die Senner übernehmen. Der Dienstgeberbeitrag mache rund 3000 Euro aus, in einigen Fällen bis zu 4000 Euro. „Das heißt, jeder der drei Partner müsste 1000 Euro beisteuern.“

Im Verbandsgebiet des TVB Serfaus-Fiss-Ladis und im Tiroler Oberland (Obergricht) habe man bereits die entsprechenden Zusagen für zehn Sennalmen bekommen. In den Gesprächen mit den Touristikern sei man mit dem Anliegen auf offene Ohren gestoßen. „Unser Ziel ist es, dieses Beteiligungsmodell auf den ganzen Bezirk auszudehnen“, erklärte Monz.

Auf 28 von den insgesamt 108 Almen im Bezirk Landeck wird die Milch vor Ort verarbeitet – zu hochwertigen Produkten wie Almkäse halbfett und fett, Almbutter oder Graukäse. Neben der finanziell angespannten Lage sind die Alminteressentschaften auch mit sinkenden Viehzahlen auf den Sommerweiden konfrontiert. „In Summe haben wir heuer 1500 Milchkühe aufgetreiben“, weiß Kammergeschäftsführer Peter Frank. Der Erhalt der Almen unter „guten und nachhaltigen Rahmenbedingungen“ sei eine Aufgabe mit hoher Priorität. Nicht zuletzt deswegen, weil zahlreiche Almgebäude mit Inkrafttreten der EU-Hygienerichtlinien aufwändig restauriert worden seien. Zudem habe man die Produktqualität kräftig verbessern können. „Den Beweis liefern die vielen Medaillen, die unsere Senner bei der Galtürer Almkäseolympiade gewonnen haben“, so Monz.

Ein Bekenntnis zur Almwirtschaft hatte auch Minister Rupprechter bei seinem jüngsten Landeck-Besuch abgelegt: „Die Berglandwirtschaft ist Grundlage vor allem für den Sommertourismus.“