Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.07.2017


Standort Tirol

Zangerl: „Trumpmania in Tirols Wirtschaft“

Sozialpartner-Krach: Während WK-Chef kalmiert, wirft Zangerl Bodenseer vor, „rote Linie“ überschritten zu haben. Hörl mischt mit.

AK-Chef Erwin Zangerl.

© Thomas Boehm / TTAK-Chef Erwin Zangerl.



Innsbruck – Die Tiroler Sozialpartner steuern weiter auf Konfrontationskurs. Gestern wechselten offene Briefe die Seiten. Anlass: Die Arbeitnehmer-Forderung von 1500 € Mindestlohn ist fix, während die flexibleren Arbeitszeiten vorerst vom Tisch sind. Wirtschaftskammerchef Jürgen Bodenseer hatte die einseitige Einigung scharf kritisiert. Arbeiterkammer Tirol (AK) und ÖGB reagierten erbost.

Gestern legte AK-Präsident Erwin Zangerl nach. Die „Trumpmania“ habe die Tiroler Wirtschaft erreicht, teilte er mit, nachdem er Bodenseer zuvor vorgeworfen hatte, mit „alternativen Fakten“ bei Arbeitszeit und Überstunden zu arbeiten. Auch die angestrebte „Mehrklassengesellschaft“ in der WK rief Zangerl auf den Plan. Wer als WK-Mitglied höhere Beiträge zahle, solle mehr Leistungen bekommen, so die Idee. Der AK-Chef nannte das einen „Klassenkampf“ in der WK, „unterklassigen“ Unternehmen bot er AK-Hilfe an.

Bodenseer reagierte mit einem offenen Brief an die AK- und ÖGB-Chefs, in dem er aufrief, „alte Reflexe“ zu vermeiden und „zu einer neuen Form der gemeinsamen Sozialpartnerschaft im Team“ zu finden. Ihm gehe es keineswegs um das Niederreißen von wohlerworbenen Arbeitsrechten, sondern um eine moderne, flexible Lösung bei den Arbeitszeiten, die allen diene. Darauf schrieb Zangerl einen offenen Brief zurück, in dem er Bodenseer vorwarf, mit jüngsten Aussagen eine „rote Linie“ überschritten zu haben. AK und ÖGB würden sich „Fouls“ nicht länger gefallen lassen.

Indes stieg Wirtschaftsbundchef Franz Hörl in den Ring: Er habe kein Verständnis dafür, wenn die Sozialpartner versuchten, ihr „Versagen“ auf die Politik abzuschieben. Die Beteiligten hätten sich „die Demontage der eigenen Daseinsberechtigung selbst zuzuschreiben“. Dazu hielt Bodenseer fest, nicht er, sondern WK-Vize Manfred Pletzer habe gesagt, die Politik möge entscheiden, wenn die Sozialpartner nichts zusammenbrächten. Er sei dran, eine Entscheidung im Sozialpartnerbereich zu erreichen. Spitze an seinen Spartenobmann: Die Kammer wäre auch er, Hörl, selbst. (wer)

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