Letztes Update am Sa, 08.07.2017 07:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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,,Guardiola statt Ronaldo“: Wechsel bei Plansee-Aufsichtsrat

Paukenschlag bei Plansee: Vorstandschef Michael Schwarzkopf wechselt als Vorsitzender in den Aufsichtsrat. Die Geschäfte laufen gut.

Bernhard Schretter (von links) und Karlheinz Wex sind das Chefduo, Schwarzkopf ist im Aufsichtsrat.

© Bernhard Schretter (von links) und Karlheinz Wex sind das Chefduo, Schwarzkopf ist im Aufsichtsrat.



Von Alois Vahrner

Reutte – Das Spektakulärste kam zum Schluss: Nach der Präsentation der kerngesunden Bilanzzahlen und des Ausblicks auf das laufende Jahr verkündete Plansee-Vorstandschef Schwarzkopf, dass er noch am Freitag aus dem Vorstand ausscheiden und nunmehr als Vorsitzender des Aufsichtsrates fungieren werde. Der Enkel des Firmengründers Paul Schwarzkopf war 27 Jahre in operativer Verantwortung tätig und mit 21 Jahren der am längsten aktive Vorstandschef der 1921 gegründeten und heute weltweit tätigen Hochleistungswerkstoffherstellers. Die bisherigen Vorstandskollegen Bernhard Schretter und Karlheinz Wex werden künftig die Gruppe allein operativ führen.

„Es braucht Mut zur Veränderung. Ich nehme einen lange geplanten Rollenwechsel vor und werde quasi vom Spielmacher zum Sportdirektor“, meinte Schwarzkopf mit einem Fußball-Vergeich. „Man kann auch sagen, ich werde vom Ronaldo zum Guardiola.“ Als Aufsichtsratsvorsitzender (Plansee gehört den Familienmitgliedern Schwarzkopf) könne er „mit mehr Objektivität“ auf die Entwicklung des Unternehmens blicken. Die Gruppe bekomme dadurch mehr Freiräume – „und ich auch“, so Schwarzkopf.

Das Ende Februar zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2016/17 war laut Schwarzkopf „sehr erfolgreich“. Der konsolidierte Umsatz ging minimal von 1,18 auf 1,17 Mrd. Euro zurück. Alle Unternehmensbeteiligungen zusammengefasst erzielten 2,14 Mrd. Euro Umsatz, davon stammen fast 600 Mio. Euro allein aus dem in den letzten Jahren kräftig ausgebauten Stammwerk in Breitenwang bei Reutte.

Die Verkaufsmengen seien auf ein neues Rekordniveau gestiegen, die Preise lagen aber wegen der weiter gesunkenen Rohstoffpreise von Wolfram und Molybdän (diese halbierten sich seit 2012) gesunken. Das operative Ergebnis (EBITDA) stieg kräftig von 148 auf 197 Mio. Euro. Das Eigenkapital liege bei 1,2 Mrd. Euro. Die Plansee-Gruppe sei komplett schuldenfrei und könne sich, was auch geplant sei, die weiterhin hohen Investitionen (über 180 Mio. Euro) und Akquisitionen (geplant vor allem in Asien und Amerika) aus dem Cashflow leisten, so Schwarzkopf. Es sei gelungen, in allen Geschäftsbereichen Marktanteile zu gewinnen und auch in allen unter den weltweiten Top-3-Anbietern zu liegen. „Wir sind weltweit tätig, aber im Weltmaßstab ein in Nischen tätiger Mittelständler, wenn auch ein sehr erfolgreicher.“

Die Hälfte des Umsatzes wird in Europa gemacht, je ein Viertel in Asien und Amerika erzielt. Längerfristiges Ziel ist je ein Drittel. Bereits erreicht wurde die Vorgabe, ein Drittel des Umsatzes mit Produkten zu machen, die erst in den letzten fünf Jahren entwickelt wurden. Beim Projekt „Marathon“, der alle Bereiche noch fitter machen soll, sei man gut unterwegs, sagt Schwarzkopf. Ein Zukunftsschwerpunkt werde die Digitalisierung. Mit Matmatch starte die erste Firma mit Sitz in München, die Ingenieure, Produktdesigner und Einkaufsteams auf einer unabhängigen wissenschaftlichen Informationsplattform zusammenbringen soll.

Der globale Personalstand stieg mit Hineinrechnung der Beteiligungen leicht auf über 12.000 an, in Breitenwang sank der Mitarbeiterstand um 50 auf 2275. Durch die weltweit gute Konjunktur (zweistelliges Plus bisher für Plansee) habe man überall Job-Steigerungen.

Über den aktuellen Sozialpartner-Streit inklusive Nicht-Einigung auf flexiblere Arbeitszeiten kann Schwarzkopf nur müde lächeln. „Die Sozialpartnerschaft, die nicht einmal mehr Minimal-Kompromisse schafft, hat sich in der jetzigen Form überlebt. Das ist ein Armutszeugnis. Arbeiten sollte man, wenn auch Arbeit da ist.“