Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 17.07.2017


Exklusiv

Dicke Luft bei Innsbrucks Bergbahnen

Dass Führungskräfte der Nordkettenbahn zur neuen Patscherkofelbahn wechselten, sorgt für ein angespanntes Verhältnis.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Mit Jahresende ist für Hermann Nolf Schluss. Der Betriebsleiter der Patscherkofelbahnen wechselt in die Pension. Nolf ist so etwas wie ein Urgestein in der Innsbrucker Bergbahnenszene. Vor dem Kofel schupfte er den Betrieb bei der Nordkettenbahn (NKB).

Nolfs Nachfolger ist bereits seit 1. Juli in Amt und Würden. Nicht, um sich etwa für die alte Pendelbahn, die mit Jahresende in die Rente gondelt, einschulen zu lassen. Vielmehr, so Kofelbahnen-Geschäftsführer Thomas Scheiber, um bereits beim laufenden Bau der neuen Einseilumlaufbahn dabei zu sein. Doch der neue Betriebsleiter (Name der Redaktion bekannt) ist nicht irgendwer. Handelt es sich doch dabei um den bisherigen Betriebsleiter der Nordkettenbahn. Und genau dieses personelle Schmankerl sorgt seit Monaten für dicke Luft zwischen den beiden stadtnahen Bergbahnen, heißt es.

Denn bei der Nordkettenbahnen Betriebs GmbH ist man davon überzeugt, dass der Hauptbetriebsleiter – genauso übrigens wie eine weitere Person in einer Führungsfunktion – aktiv vom Kofel-Team abgeworben wurde. Für Ersatz sei aber bereits gesorgt worden, heißt es. Hinzu kommt, dass NKB-Geschäftsführer Thomas Schroll auch noch sein stellvertretender Betriebsleiter – anderweitig – abhandengekommen ist. Die Art und Weise, wie das alles vonstattenging, soll nicht nur Schroll, sondern auch den Gesellschaftern sauer aufstoßen, wird kolportiert. Schließlich sei man Partner.

Dazu ist zu wissen, dass mit dem Relaunch der Nordkettenbahn und dem damit verbundenen „Private-Public-Partnership-Modell“ die im Dienstverhältnis mit den Innsbrucker Verkehrsbetrieben (IVB) stehenden Bahnenmitarbeiter von den NKB übernommen werden mussten. Sie sind also nur „überlassen“ worden. Ergo sind IVB und NKB vertraglich aneinander gebunden, auch dadurch, dass die Anlagen rund ums Jahr 2038 wieder an die IVB, respektive die Stadt, zurückfallen sollen. Mit dem Kauf der Patscherkofelbahn sind die IVB aber erneut ins Seilbahngeschäft eingestiegen. Also Partner und Konkurrenten gleichzeitig.

Scheiber dementiert den im Raum stehenden Vorwurf des Abwerbens. Alle betroffenen Mitarbeiter hätten von selbst den Wechsel angestrebt: „Ich habe den Betriebsleiter nicht aktiv abgeworben.“ Der Betroffene bestätigt der TT, dass er sich beruflich habe verändern wollen und sich deshalb selbst „um die Stelle bemüht habe“. Scheiber will das Verhältnis zur Nordkettenbahn indes nicht näher kommentieren, versteht aber, dass der Mitarbeiterwechsel „Schroll keine Freude macht“.

Auf TT-Anfrage will auch Schroll weder die personelle Situation noch das Verhältnis zur Schwesterbahn am Kofel kommentieren.