Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.09.2017


Osttirol

Deferegger Wasser ist ein Rohdiamant

Das Heilwasser, das in St. Jakob im Defereggen aus 1850 Metern Tiefe kommt, ist mindestens eine halbe Million Jahre alt. Es wirkt gegen zahlreiche Leiden. Nun geht es an die wirtschaftliche Nutzung.

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© Oblasser



Von Catharina Oblasser

St. Jakob i. D. – Rheuma, Schuppenflechte, Ekzeme, Geschwüre, Atemwegserkrankungen, Schwächezustände: All das lässt sich mit dem Deferegger Heilwasser, das in St. Jakob gefördert wird, behandeln. Und zwar mit sehr guter Wirkung: Das ergaben Studien des Kardiologen Peter Lechleitner und des praktischen Arztes Ottokar Widemair. 2004 hat man begonnen, in St. Jakob nach Thermalwasser zu bohren, seit 2010 darf sich das Wasser als „Heilwasser“ bezeichnen. Nun legen wissenschaftliche Untersuchungen nahe, dass es sich im Defereggen um mehr als das übliche warme Wasser aus der Erde handelt. Ein großangelegtes Symposium mit hochkarätigen Wissenschaftern widmet sich dieser Tage in St. Jakob dem Thema „Tiefenwasser“.

„Das Deferegger Wasser ist 500.000 Jahre alt oder noch mehr“, sagt Experte Lorenz Eichinger, der das Projekt St. Jakob seit vielen Jahren begleitet. „Das hat eine Untersuchung am National Institute Argonne in Chicago ergeben.“ Kennzeichen dieses Wassers ist, dass es außergewöhnlich hohe Anteile von Mineralien hat, die das Wasser im Lauf der langen Zeit aus dem umgebenden Gestein aufgenommen hat. Eine wertvolle Ressource also, die in St. Jakob aus dem Boden kommt.

Die Wissenschaft ist die eine Seite, die wirtschaftliche und touristische Nutzung eine andere. Zurzeit kann man Deferegger Heilwasser vor Ort kaufen, es über einen Online-Shop oder Internet-Verkaufsportale bestellen oder in einer örtlichen Apotheke erwerben. Erst ein Hotel in St. Jakob bietet Behandlungen für Hotelgäste an. Das soll sich ändern, sagt Berthold Blassnig von der Deferegger Heil- und Thermalwasser GmbH. Zurzeit werde intensiv an besseren Marketing- und Vertriebsmodellen gearbeitet. „Wir kontaktieren die Hotels und schauen gemeinsam, wie sich das Heilwasser in die jeweiligen Wellnessbereiche inte­grieren lässt.“ Auch das neue Ärztezentrum, das in St. Jakob geplant ist, soll eingebunden werden. Eines will die GmbH jedoch nicht, sagt Blassnig: „An Investoren verkaufen, die die GmbH übernehmen.“ Geldgeber seien willkommen, doch man wolle im Tal das Heilwasser-Thema selbst in der Hand behalten.

Gesundheitstourismus ist für das Defereggen ein große Chance. „In Österreich kreiert dieser Tourismuszweig jährlich 19 Millionen Nächtigungen“, sagt Kurt Kaufmann vom österreichischen Heilbäder- und Kurorteverband.