Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 20.10.2017


Bezirk Kufstein

Traditionsgasthaus Klause braucht eine Frischzellenkur

Das Traditionsgasthaus Erzherzog-Johann-Klause wurde von Sozialverein als „Nottankstelle“ aufgesperrt. Aber für den Vollbetrieb wäre eine Sanierung um bis zu 1,1 Millionen Euro notwendig.

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© Zoom-Tirol



Von Wolfgang Otter

Brandenberg – Das Gasthaus Erzherzog-Johann-Klause in Brandenberg hat schon bessere Zeiten erlebt. Das Haus, die nahe Hubertuskapelle und das knapp 14 Meter hohe Stauwerk an der Brandenberger Ache zog jährlich viele Wanderer und Biker an, aus Tirol genauso wie aus dem angrenzenden Bayern.

Trotzdem schloss das sanierungsbedürftige Traditionshaus auf knapp 800 Metern Höhe im Jahr 2016. Der Sozialverein „Arbeitsmanufaktur SchwarzWeiß“, der sich um die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen kümmert, belebte es heuer teilweise wieder. Aber es wurden zur Bewirtung nur kleine Semmeln gebacken bzw. der Herd überhaupt nicht eingeschaltet.

Da das Haus generalsaniert werden müsste, um die entsprechenden Auflagen für einen Vollbetrieb zu erfüllen, steht keine Küche zur Verfügung. Serviert wurden daher (wie von der Behörde genehmigt) von zwei Vereinsmitarbeitern nur kalte Speisen und Getränke. Daher sprach man auch von einer „Nottankstelle“, „um den Leuten zu signalisieren, dass wir nur einen eingeschränkten Gastbetrieb haben“, sagt Vereins­obmann und SchwarzWeiß-Gründer Thomas Dangl. Die Idee sei aber gut angekommen. Wanderer und Radfahrer waren zufrieden. Und so blickt er auf eine gute Saison zurück. „Außer im September, da lief es aufgrund des schlechten Wetters nicht so gut“, sagt Dangl. Aber man möchte auch 2018 gerne weitermachen. Immerhin können hier Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose geschaffen werden.

Zur Überraschung einiger Radfahrer und Wanderer hatte das Haus diese Woche wieder geschlossen, obwohl eigentlich noch Saison wäre. Die Gerüchteküche begann darauf auch gleich heftig zu brodeln. Mancher sah bereits wieder das Aus für das Traditionshaus gekommen. Dangl beruhigt: „Das war wegen Brückensanierungsarbeiten, dazu musste der Weg gesperrt werden.“ Heute soll bereits wieder geöffnet werden, verspricht der Obmann. Ende Oktober ist dann wirklich Schluss, außer das Wetter sei ganz schön, dann könnte man auf „Ersuchen des Tourismusverbandes“ bis Mitte November offenhalten.

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Trotz des erfolgreichen Probelaufs ist die Zukunft des Hauses ungewiss. Das große Problem, das 2016 zur Schließung führte, ist die Sanierung. Nur so sind entsprechende Genehmigungen für den gastronomischen Vollbetrieb und die Zimmervermietung zu erhalten. Dafür müssten aber die Besitzer, die Österreichischen Bundesforste (ÖBF), viel Geld in die Hand nehmen. Laut ÖBF-Pressesprecherin Pia Buchner würde die Generalsanierung bis zu 1,1 Millionen Euro verschlingen. Es müsste auch eine komplett neue Wasserfassung gebaut werden. Und diese Summe, so die Pressesprecherin, sei nur schwer aufzutreiben. Immerhin seien die ÖBF auch nicht Betreiber von Gaststätten. Zudem sei für einen Pächter nur eine kurze Saison möglich, was diesem Investitionen erschwere. Aber notwendige Instandhaltungsarbeiten werden natürlich übernommen. Mit Ende der Saison sollen nun mit dem Sozialverein weitere Gespräche geführt werden. Eventuell auch über gemeinsame Investitionen.

Für heuer hatte die Arbeitsmanufaktur eine Sonderlösung bekommen: „Es wurde eine pachtfreie Nutzung vereinbart. Dies mit dem Ziel (und auch unserem Wunsch), dass zumindest eine einfache Verpflegungsmöglichkeit für Schönwetterperioden vor Ort aufrechterhalten werden kann, da es sich um eine beliebte Rad- und Wanderstrecke handelt. Im Gegenzug kümmert sich der Verein um die Behebung kleinerer Störungen rund um das Gebäude. Abhängig vom Geschäftsverlauf und der wirtschaftlichen Entwicklung wird die Pachtlösung eventuell angepasst“, so Buchner.