Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 24.10.2017


Standort Tirol

Anreise zum Lechweg ohne das Auto

Die Kapazitätsgrenzen der B179 sind erreicht: Touristiker schulen Mitarbeiter und Vermieter zu Möglichkeiten der Pkw-freien Anreise aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie über den Allgäu Airport.

© Setzen auf Bahnreise für den Lechweg: (v. l.) Ramona Sprenger (Werbegemeinschaft Lech-Wege), Theresa Feistenauer (TVB Naturparkregion Reutte), TVB-GF Ronald Petrini, Mobilitätscoach Brigitte Hainzer, Werner Wex (VVT-Kundencenter) und Günter Salchner (REA).Foto: Werbegemeinschaft Lech-Wege



Außerfern – Ob Zillertal oder Fernpassbundesstraße, die Rechnung „möglichst viele Pkw für immer mehr Betten“ geht sich nicht mehr aus. Einheimische wie Gäste leiden zunehmend unter den Staus, dem Lärm und den Abgasen. Der aktuelle Klimaschutzbericht des Umweltbundesamtes attestiert Tirol die höchsten Pro-Kopf-Emissionen im Verkehr. Neben Tanktourismus und Transit trägt auch der Urlauberverkehr das Seine dazu bei. Gesundheitsgefährdende Luftwerte kratzen auch an der Markenvision Tirols als „begehrtester Kraftplatz der alpinen Welt“, sagt Günter Salchner, Geschäftsführer der Regionalentwicklung Außerfern (REA).

Laut Verkehrsbericht des Landes Tirol betrug im Jahr 2016 der durchschnittliche tägliche Verkehr an der Zählanlage am Fernpass 13.502 Kfz. Dies waren um 5,1 Prozent mehr als 2015. An Spitzentagen rollen bis zu 28.000 Fahrzeuge über den Fernpass. Demgegenüber reisen nur 6 Prozent der Urlaubsgäste mit der Bahn nach Tirol. Vor diesem Hintergrund hat die Tirol Werbung die Initiative „Tirol auf Schiene“ ins Leben gerufen. Durch gezieltes Marketing und Beratung von Vermietern soll bis ins Jahr 2020 der Anteil der Bahnreisenden auf 10 % gesteigert werden.

Zur Eindämmung des Gesamtverkehrsaufkommens auf der Fernpassstraße mag dies eine Zielsetzung mit zunächst homöopathischer Wirkung sein, ordnet Salchner die Wirkung in das große Ganze ein. Doch das Erreichen der Kapazitätsgrenzen auf der Straße zwinge zu einem Umdenken. „Gerade der Lechweg eignet sich hervorragend für einen Pkw-freien Urlaub“, weiß Ronald Petrini, Geschäftsführer des TVB Naturparkregion Reutte und Obmann der Werbegemeinschaft Lech-Wege. „Für die beliebte Etappenwanderung entlang des Lech benötigt man kein eigenes Fahrzeug. Es gibt einen Gepäcktransport und einen gut ausgebauten Linien­verkehr. Wer mit der Bahn anreist, muss am Ende der Wanderung auch nicht zurück zum Ausgangsort, um zu seinem Auto zu kommen“, ergänzt Petrini. Eine An- bzw. Abreise mit der Bahn ist über Füssen, Reutte und Langen am Arlberg möglich.

In Anlehnung an die TW-Initiative „Tirol auf Schiene“ und die Fernpassstrategie rief die Werbegemeinschaft Lech-Wege nun das Projekt „Lechweg nachhaltig mobil“ ins Leben. Die Projektinhalte umfassen Workshops und Schulungen der Mitarbeiter und Vermieter zur Pkw-freien Anreise aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bzw. über den Allgäu Airport aus entfernteren Herkunftsländern. An den Workshops beteiligen sich auch die Tirol Werbung sowie die Verkehrsunternehmen ÖBB und Deutsche Bahn sowie der Verkehrs­verbund Tirol. Zudem wird eigenes Infomaterial für die Bahnanreise produziert. Eine Presseagentur wird den Lechweg vermehrt als autofreies Urlaubsprodukt anpreisen. Die Initiative kam von REA. An der Finanzierung beteiligen sich die Werbegemeinschaft Lech-Wege, DB Regio Oberbayern und Verkehrsverbund Tirol. Die Umsetzung ist EU-gefördert über Interreg Österreich-Bayern. (TT, hm)