Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.10.2017


Bezirk Reutte

In Vils steht Volksbefragung zu Logistikcenter im Raum

Die Wahlberechtigten werden noch vor Weihnachten zu den Urnen gerufen, um ihre Meinung zur geplanten Deckel-Maho-Ansiedelung abzugeben.

© Mittermayr HelmmutMarkus Petz blickt sorgenvoll von seinem Grundstück Richtung Allgäuer Straße, wo das Logistikzentrum errichtet werden soll.



Von Helmut Mittermayr

Vils – Noch vor Heiligabend könnten die Vilser Wahlberechtigten ins Rathaus gerufen werden. Gemeinderat Markus Petz, seine Familie und weitere Mitstreiter haben genug Unterschriften gesammelt, um laut Tiroler Gemeindeordnung eine Volksbefragung über die Ansiedelung einer neuen Logistikzentrale von Deckel-Maho zu erzwingen. Das deutsche Großunternehmen will – wie berichtet – in Vils seine vielen Außenlager bündeln. Wegen Platznot am Stammwerk Pfronten hat der Industriebetrieb ein Grundstück im Westen von Vils ins Auge gefasst, nicht weit der Metalltechnik Vils. Da die benötigte Fläche noch als Freiland gewidmet und auch nicht im örtlichen Raumordnungskonzept ausgewiesen war, wurde der Gemeinderat vor Kurzem tätig. Die Vilser Mandatare fassten mit nur einer Gegenstimme einen Grundsatzbeschluss, die notwendigen Widmungen einzuleiten und damit die Ansiedelung im Städtchen willkommen zu heißen.

Untätig blieb aber auch Markus Petz, der als Einziger dagegen gestimmt hatte, nicht. Er sammelte fleißig Unterschriften und kann zwischenzeitlich auf eine Zahl von 250 bis 270 verweisen. Da mehrere Sammler noch unterwegs seien, sei eine endgültige Zahl noch nicht erhoben. Aber mit über 250 Unterschriften hat Petz mit seiner Bürgerinitiative in jedem Fall die Schallmauer von einem Sechstel der Wahlberechtigten, derzeit 210, weit überschritten. „Ich werde bald bei Bürgermeister Günter Keller vorstellig werden, um das Prozedere für eine Volksabstimmung einzuleiten. Die genauen Zeitabläufe sind mir nicht bekannt, aber abgestimmt wird sicher noch vor Weihnachten.“ Petz ist klar, dass die Volksbefragung für den Gemeinderat nicht bindend ist, „aber bei einer hohen Wahlbeteiligung und einer klaren Mehrheit gegen das Logistikcenter kann die Stadtführung das nicht einfach negieren“.

Den Aussagen der Deckel-Maho-Führung gegenüber den Vilser Gemeinderäten, dass nur eine Belastung von 24 Lkw pro Tag anfalle und 40 Arbeitsplätze geschaffen würden, schenkt Petz keinen Glauben. Allein schon die große Zahl von 40 Stellen sei mit nur 24 Lkw nicht vereinbar, hätten ihm Logistiker versichert. „Mir wurden von Unbekannten Verkehrszählungen von Pfronten am Deckel-Maho-Tor 1 (Badstraße) in den Postkasten geworfen. Diese Zahlen sprechen eine ganz andere Sprache. Hier reden wir von 45 Sattelzügen und 53 Lkw pro Tag. Das sind täglich 98. Ich weiß natürlich nicht, wie viele davon nach Vils kommen würden, aber allein in Pfronten macht das an diesem Werkstor im Jahr 25.000 aus.“ Aber sogar bei den viel niedriger angekündigten Maho-Lkw-Zahlen für Vils kommt Petz bei einer Ansiedelung des Logistikzentrums mit An- und Abfahrten auf viele Tausende Lkw-Fahrten mehr.

Für den Mandatar, der gerade gegen die ganze Gemeindeführung anläuft, stellt sich auch die Frage, ob eine „derart hohe Zahl an Hilfsarbeiterjobs wirklich eine Bereicherung für Vils“ wäre. „Und anfangs bringen sie eh nur ihre eigenen Leute mit.“ Der ehemalige Zimmerer, der nun bei Plansee arbeitet, hätte erwartet, dass die Bevölkerung im Stadtsaal in einer Art Gemeindeversammlung von BM Keller informiert wird. „Und nicht alles in fünf Wochen durchgepeitscht wird. Gerade wenn ich daran denke, wie lange Widmungen in Vils sonst brauchen können.“

BM Günter Keller bleibt auf Anfrage gelassen. „Das ist in Ordnung, was soll ich auch tun. Ich habe ja fast schon damit gerechnet. Die Tiroler Gemeindeordnung lässt in diesem Fall eine Volksbefragung zu. Also werden wir eine durchführen.“