Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.12.2017


Bezirk Landeck

Kraftwerk Stanzertal in Finanznöten

Die Wasserkraftwerk Stanzertal GmbH benötigt zehn Millionen Euro Eigenkapital von ihren Gesellschaftern. Ein Swap-Deal sorgt für herbe Verluste.

© WenzelDer niedrige Strompreis trifft auch das Kraftwerk Stanzertal, an dem sich auch fünf Gemeinden aus dem Bezirk beteiligt haben.



Von Matthias Reichle

Stanzertal – Als „Vorzeigekraftwerk“ wurde es präsentiert – und tatsächlich schien bei der Anlage an der Rosanna, die 2014 in Betrieb ging, am Anfang alles zu stimmen. Die Baukosten wurden unterschritten, ebenso die Bauzeit, und die Stromproduktion übertrifft bis heute die Erwartungen. Doch schnell brachte der Strompreis das Kraftwerk in Bedrängnis.

Die Wasserkraft Stanzertal GmbH benötigt nun frisches Geld der Gesellschafter. Sie müssen zehn Millionen einbringen. Betroffen sind die Gemeinden St. Anton, Pettneu, Flirsch und Strengen mit jeweils 6,25 Prozent Anteilen, die Gemeinde Zams mit 5 Prozent, die Energie- und Wirtschaftsbetriebe der Gemeinde St. Anton mit 11 Prozent, die Stadtwerke Imst mit 15 Prozent und die Elektrizitätswerke Reutte mit 34 Prozent. Darüber hinaus hält auch die ILF Business Consult Austria GmbH, die damals die Projektinitiative hatte, zehn Prozent.

Zuletzt mussten die Gemeinden auf Ausschüttungen verzichten. Nun sollen die Gesellschafter nach dem Beschluss der Generalversammlung ihren Anteilen entsprechend die Eigenkapitalquote erhöhen. „Man will eine Neufinanzierung“, betont Kraftwerksgeschäftsführer Jakob Klimmer. Derzeit stehe man noch mit Banken in Verhandlung. Es gebe verschiedene Möglichkeiten. „Hintergrund ist, dass man von einer Projektfinanzierung auf eine Unternehmensfinanzierung umstellen will“, erklärt sein Kollege in der Geschäftsführung Michael Hold von den EWR.

Man erhoffe sich durch die Neuaufstellung der Finanzierung „bessere Konditionen“, wie der Imster Vizebürgermeister Stefan Krismer betont. Derzeit wird unter anderem mit der Hypo Landesbank verhandelt.

Für die Stanzertaler Gemeinden bedeutet das, dass sie jeweils 625.000 Euro aufbringen müssen. Trotzdem optimistisch zeigt sich etwa der Strenger Bürgermeister Harald Sieß. „Der Strompreis steigt wieder“, erklärt er. „Verkaufen ist derzeit kein Thema.“ Durchaus eine Option ist das für den Pettneue­r Bürgermeister Manfred Matt, wenn die Ergebnisse der Verhandlungen nicht passen. Aber auch er zeigt sich optimistisch, dass sich die Situation beim Kraftwerk wieder ändert.

Pikantes Detail bei der Kraftwerksfinanzierung: Ein Teil der Kredite wurde mit einem Swap-Deal – also Zins-Spekulationen – abgeschlossen, der sich jetzt sehr negativ auf die Situation der GmbH auswirkt. Das Geschäft sollte die Gesellschaft gegen steigende Zinsen absichern, wie der Zammer Bürgermeister Siggi Geiger erklärt. Damals schien das eine gute Idee. Doch anstatt zu steigen, sind die Zinsen weiter gefallen. „Das kostet die Gesellschaft einige 100.000 Euro im Jahr.“

Herbe Kritik an den „Swap-Krediten“ kommt vom Zammer FP-Gemeindevorstand Mathias Venier: „Spekulationen haben in der Gemeinde nichts verloren.“ Er vermutet, dass man sich jetzt still und leise aus diesen Swap-Geschäften herauskaufen will. In seiner Fraktion habe man beschlossen, die notwendige Abstimmung nicht mitzutragen. „Wir werden in ein paar Jahren wieder dieselbe Diskussion haben“, betont er. Er sei dafür, die Anteile zu behalten, nicht zu verkaufen, aber auch kein neues Geld einzubringen. Bestürzt ist er, weil die Gemeinderäte nichts von den Swap-Geschäften gewusst hätten, wie er erklärt. Dem widerspricht der Zammer Dorfchef Siggi Geiger. „Es hat hier einstimmige Beschlüsse gegeben.“ Die Mandatare wären sehr wohl informiert gewesen.

Nicht so einfach scheint der Ausstieg aus den Swap-Geschäften zu sein. Das sei zwar jederzeit möglich, sagt Kraftwerksgeschäftsführer Michael Hold. „Die Frage ist, wie sinnvoll der Ausstieg ist.“ Dieser sei sehr teuer, so der Imster Vizebürgermeister Stefan Krismer. Schlussendlich komme es auf die Bedingungen an, erklärt Jakob Klimmer.




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