Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.01.2018


Standort Tirol

Aufschwung in schwierigem Umfeld

Die Talkesselregion Landeck-Zams hält am gemeinsamen Standortmanagement fest. Gewerblich nutzbare Flächen sind rar, Betriebsansiedlungen daher mühsam. Die Kommunalsteuer liegt im leichten Aufwärtstrend.

© Wenzel



Von Helmut Wenzel

Landeck, Zams – Beim Wirtschaftswachstum im räumlich engen Talkessel Landeck-Zams hängen die Trauben hoch. Die Bezirkshauptstadt lukrierte 2016 rund 2,64 Mio. Euro an Kommunalsteuer (die Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor). Nach Jahren der Stagnation bedeutet das laut Finanzreferent GR Herbert Mayer zumindest eine leichte Steigerung von zwei Prozent gegenüber 2015.

Zams erzielte, ebenfalls 2016, Einnahmen von 1,46 Mio. Euro. Wobei das Krankenhaus mit 800 Arbeitsplätzen von der Kommunalsteuer befreit ist, wie Bürgermeister Siggi Geiger anmerkte. Die Entwicklung sei dennoch positiv. 2017 werde die Marke von 1,5 Mio. Euro in greifbare Nähe rücken, stellte Gemeinde­amtsleiter Stefan Trenker fest. Die Wirtschaftskammer wertet die Kommunalsteuer als einen „wichtigen, aber nicht einzigen Indikator“ zum Wirtschaftswachstum in den Gemeinden.

Weil die Rahmenbedingungen für Wachstum schwierig bzw. gewerblich nutzbare Flächen rar sind, betreiben die beiden Kommunen gemeinsames Standort- und Flächenmanagement. 2014 wurde das Standortzentrum Landeck-Zams (SLZ) aus der Taufe gehoben. „Es ist eine langfristige gemeinsame Aufgabe, das begonnene Standortmanagement weiterhin aktiv zu betreiben“, erklärte Stadtchef Wolfgang Jörg am Dienstag. SLZ-Geschäftsführer Marco Fehr zeigte auf: „In den kommenden zwei Jahren haben wir einen zusätzlichen Flächenbedarf von 24.000 Quadratmetern. Frei verfügbarer Grund und Boden ist unerlässlich für die Entwicklung des Standortes.“ Das SLZ habe die Aufgabe, die benötigten Grundstücke den politischen Entscheidungsträgern zur Verfügung zu stellen. Eines der wenigen privaten Grundstücke, die seither in öffentlichen Besitz wanderten, ist das 5427 Quadratmeter große Billa-Areal im Stadtteil Landeck-Bruggen. Es war ein mühsamer Deal, der 1,78 Mio. Euro kostete.

„Flächenmanagement im Talkessel bedeutet Sisyphusarbeit“, räumte Fehr gestern ein. Landeck habe derzeit zumindest eine Option auf ein weiteres Grundstück, auf dem ein Betrieb angesiedelt werden könnte. „Da ist schon vor zwölf Jahren verhandelt worden“, weiß der SLZ-Geschäftsführer.

Mit dem Ziel der benachbarten Kommunen, Unternehmern attraktiven Raum für Betriebsansiedlungen zu bieten, ist es allerdings nicht getan. Die im Juli 2017 veröffentlichte SLZ-Umfrage zeigt, dass 71 Prozent der heimischen Unternehmen große bis sehr große Schwierigkeiten haben, Fachkräfte zu finden. Betroffen sind Handels- und Gewerbebetriebe ebenso wie Dienstleister. Von den 27 Prozent jener Betriebe, die Lehrlinge beschäftigen, haben 67 Prozent Probleme, junge Leute mit Lust auf eine Berufsausbildung zu finden.

Der eng verflochtene Siedlungs- und Wirtschaftsraum zählt mehr als 11.000 Einwohner. 651 Betriebe in Landeck und 232 in Zams beschäftigen etwas mehr als 7000 Mitarbeiter. Die Kaufleute haben sich mehrfach für eine Fusionierung von Landeck und Zams ausgesprochen. Selbst politische Mandatare können sich eine gemeinsame Kommune vorstellen – vorerst zumindest in Sonntagsreden.