Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.02.2018


Standort Tirol

Neuer EU-Reiseschutz mit Lücken, Hoteliers irritiert

Das neue Pauschalreisegesetz bietet Reisenden nicht in jedem Fall ausreichenden Schutz. Verunsicherung bei Tiroler Hoteliers.

© BöhmHotels dürfen auch mit dem neuen Pauschalreisegesetz weiterhin Tickets für den Skilift verkaufen, sagt die Wirtschaftskammer.Foto: Thomas Böhm



Wien, Innsbruck – Ein neues Pauschalreisegesetz soll ab 1. Juli Verbraucher besser schützen, wenn etwas schiefgeht oder der Reiseveranstalter pleitegeht. Doch einen Komplettschutz bietet auch die neue EU-Richtlinie nicht, warnen Experten. Für die heimische Hotellerie ist die Umsetzung eine weitere Herausforderung, sagen Touristiker.

Die Insolvenzen von Niki und Air Berlin haben viele Urlauber vorsichtiger gemacht. Denn wenn die Fluglinie, bei der eine Reise gebucht wurde, pleitegeht, besteht die Gefahr, dass das im Voraus bezahlte Geld verloren ist. Zumindest wenn das Ticket einzeln und nicht im Paket mit anderen Urlaubsleistungen gebucht wurde. Daran wird auch das neue Pauschalreisegesetz nichts ändern. Wird jedoch eine Pauschalreise gebucht, ist der Kunde im Falle einer Insolvenz und anderen Problemen künftig abgesichert.

Selbst zusammengestellte Reisen auf Online-Portalen sind im Schutz jedoch nicht inbegriffen, warnt Helga Freund, Geschäftsführerin der Reisebürokette Ruefa. „Das Pauschalreisegesetz umfasst keine Reisebausteine, die etwa über Buchungsplattformen individuell vom Kunden selbst zusammengestellt und von mehreren Reiseveranstaltern angeboten werden“, so Freund. Auch Buchungen bis 30. Juni 2018 fallen, unabhängig vom Reisedatum, nicht in das neue Gesetz. Künftig gilt auch die Buchung von Flug und Mietauto als Pauschalreise und der Veranstalter haftet für nicht oder mangelhaft durchgeführte Leistungen.

Insgesamt wurde der Schutz für Reisende deutlich erhöht, etwa bei so genannten verbundenen Reisen. „Wenn verschiedene Komponenten wie Flug und Hotel getrennt ausgewählt, gebucht und bezahlt werden“ – das muss allerdings beim selben Veranstalter geschehen. Reiseveranstalter und -büros müssen Kunden fortan vor Vertragsabschluss besser über die Vorgehensweise bei Problemen informieren.

Ein Pauschalangebot liegt künftig dann vor, wenn Zusatzleistungen – also der Mietwagen zum Flug oder die Skikarte zum Hotelzimmer – zumindest ein Viertel des Gesamtpreises ausmachen. Das bereitet weiterhin einigen heimischen Hoteliers Kopfzerbrechen. Für sie ergeben sich nämlich neue Haftungsfragen. Zudem wäre man nach dem neuen Gesetz ein Reiseveranstalter, wenn man derartige Pauschalangebote schnürt. Und diese sind konzessionspflichtig. Einige Hoteliers haben deshalb bereits Zusatzangebote aus dem Programm genommen.

Während einige Tiroler Tourismusverbände, um sich abzusichern, Reisebüros gegründet haben, warnt Mario Gerber, Obmann der Tiroler Hotellerie in der Wirtschaftskammer, Hoteliers vor überstürzten Handlungen. „Vieles konnten wir entschärfen. Wir können viele Leistungen weiter anbieten, ohne dass wir eine Konzession brauchen. Zudem konzipieren wir gerade eine Versicherung für den Fall, dass die Richtlinie schlagend wird“, sagt Gerber. Verunsicherten Hoteliers empfiehlt er, Rat bei der WK-Fachgruppe einzuholen. (APA, ecke)




Kommentieren


Schlagworte