Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.04.2018


Exklusiv

Land widmet Wohngebiet für Investorenmodell um

Das Land hat in Oetz nun die Umwidmung von Wohngebiet zugunsten eines Anleger-Projekts abgesegnet. Liste Fritz schäumt, Gemeinderätin skeptisch.

© -Die violett schraffierte Fläche wurde umgewidmet: Dort soll das Investorenmodell des Schweizer Immo-Entwicklers umgesetzt werden.Screenshot: Tiris



Von Max Strozzi

Oetz – So genannte Investorenmodelle sorgen in Tirol immer wieder für Zündstoff, Kritiker orten ein Einfallstor für versteckte Freizeitwohnsitze, Hotellerievertreter prangern Wettbewerbsverzerrung an. Zuletzt stand ein solches Großprojekt in Oetz im Fokus. Wie berichtet, will ein Schweizer Immobilienentwickler dort ein Investorenmodell aufziehen. Dabei werden Wohnungen an zahlungskräftige Anleger – meist aus dem Ausland – verkauft, die ihre Wohnung einem Hotelbetreiber zur touristischen Vermietung zur Verfügung stellen. In Oetz geht es um 55 Wohnungen mit mehr als 250 Betten. Mit dem Betreiber hat die Gemeinde einen Raumordnungsvertrag abgeschlossen. In dem Komplex entstehen auch offiziell einige Freizeitwohnsitze – Oetz liegt noch unter der 8 %-Schwelle.

Besonders brisant ist das Investorenprojekt in Oetz auch deshalb, weil dafür Wohngebiet weichen muss. Schließlich wird gerade in Tirol die Wohnbaupolitik heftig diskutiert, die besiedelbare Fläche ist mit 12 % gering.

Anfang April hat das Land Tirol nun die Umwidmung von rund 5800 Quadratmetern Wohngebiet in Sonderfläche Beherbergungs-Großbetrieb für das Investorenmodell genehmigt. „Diese Politik nützt reichen Investoren und schadet wohnungssuchenden Einheimischen“, prangert LA Markus Sint (Liste Fritz) an. „In ihrem Regierungsübereinkommen schreiben ÖVP und Grüne Bodensparen und Sicherung des heimischen Wohnbedarfs als Ziele nieder. Ihre Zielsetzung ist aber das Papier nicht wert, auf dem es steht“, kritisiert Sint. Investorenmodelle wie in Oetz würden neuen Freizeitwohnsitzen Tür und Tor öffnen.

Laut dem Oetzer BM Hansjörg Falkner ist die Bauverhandlung für das Investorenmodell bereits im Februar erfolgt. Also noch ehe das Land die Umwidmung genehmigt hat. „Daran merkt man, wie gefuhrwerkt wird“, kritisiert Sint. Wer den Baubescheid beeinspruchen will, habe nun aber gute Chancen, glaubt er.

Selbst im Oetzer Gemeinderat sind nicht alle glücklich mit der Umwidmung und dem Investorenmodell. Gemeinderätin Margit Swoboda von der Bürgermeisterliste hatte im Vorjahr – wie auch zwei weitere Gemeinderäte – gegen die Umwidmung gestimmt. „Ich bin nicht gegen touristische Projekte. Mir fehlen hier aber wichtige Informationen von denen, die das Modell anbieten“, sagt Swoboda. Sie habe „kein gutes Gefühl“ bei dem Projekt und frage sich, was passiert, wenn das Modell mit touristischer Vermietung nicht funktioniere. „Ich habe die Sorge, dass es dann nicht so genutzt wird, wie es gebaut wird“, so Swoboda. Es gebe zwar einen Raumordnungsvertrag, „wenn es aber darauf ankommt, finden Fachleute sicher ein Schlupfloch“.

Die TT hat gestern im Büro des zuständigen LR Johannes Tratter (ÖVP) angefragt, inwieweit die Umwidmung von Wohngebiet zugunsten eines Investorenmodells mit den gesetzlich festgelegten Zielen der Raumordnung vereinbar ist – etwa der „Erhaltung und Weiterentwicklung der Siedlungsgebiete zur Deckung des Wohnbedarfes der Bevölkerung“, oder der „sparsamen und zweckmäßigen Nutzung des Bodens“. Bis zum Abend blieb eine Antwort aus.