Letztes Update am Mi, 25.04.2018 11:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lebensmittel

Teures Tirol: Bis zu 152 Prozent Preisunterschied zu Bayern

Konsumenten in Innsbruck müssen für die selben Lebensmittel teilweise wesentlich tiefer in die Tasche greifen als Konsumenten in München. Das ergab ein erneuter Preisvergleich der Arbeiterkammer (AK).

© iStockDer günstigste Warenkorb in Innsbruck war mit 113,96 Euro (Merkur) noch immer erheblich teurer als der teuerste in München mit 98,84 Euro (Rewe).



Innsbruck – Tiroler müssen beim Einkaufen für die gleichen Produkte immer noch wesentlich tiefer in die Tasche greifen als Konsumenten in Bayern. Das ergab ein erneuter Preisvergleich von Markenlebensmitteln in München und Innsbruck, den die Tiroler Arbeiterkammer (AK) durchführte. Wie die Konsumentenschützer in einer Aussendung vom Mittwoch berichten, betragen die Preisunterschiede bei einzelnen Produkten teilweise rund 152 Prozent und seien nicht nachvollziehbar. Die AK fordert nun die Europäische Kommission zu Maßnahmen gegen die Benachteiligung der Tiroler Konsumenten auf.

30 idente Markenlebensmittel verglichen

Für die aktuelle Erhebung der AK wurde ein Warenkorb mit 30 identen Markenlebensmitteln zusammengestellt. Wichtig dabei war, dass alle Produkte in allen ausgewählten Geschäften erhältlich waren: In Innsbruck bei Billa, Merkur, Eurospar, MPreis und Spar. In München bei Edeka, Rewe, Real, Hit und Kaufland. Während in Innsbruck die Preise für den kompletten Warenkorb zwischen 113,96 Euro (Merkur) und 118,66 Euro (Billa) lagen, bewegten sich in München die Preise zwischen 89,46 Euro (Hit) und 98,84 Euro (Rewe).

Im Schnitt kostete der Warenkorb in München 94,20 Euro und in Innsbruck 116,76 Euro. Damit lag der Unterschied bei 23,94 Prozent.

Der günstigste Warenkorb in Innsbruck war mit 113,96 Euro (Merkur) noch immer erheblich teurer als der teuerste in München mit 98,84 Euro (Rewe).

Spitzenreiter bei den Preisdifferenzen waren mit 152,10 Prozent die McCain 1 2 3 frites Original 750 g: In Innsbruck kosteten sie beim teuersten Anbieter 3 Euro, während es sie in München beim billigsten Anbieter bereits für 1,19 Euro gab. Enorme Preisunterschiede von mehr als 100 Prozent wurden beispielsweise erhoben bei Barilla Spaghetti Nr. 5 (120,78 Prozent), Pringles Original (106,67 Prozent) und Duplo Schokolade mit Waffel (101,34 Prozent). Als „saftig“ beizeichnen die Konsumentenschützer auch die Preisdifferenz von 90,09 Prozent bei Fratelli Branca – Fernet Branca. Unterschiede von mehr als 50 Prozent wurden erhoben bei Philadelphia Frischkäse Natur (bzw. diverse Sorten) (70,71 Prozent), Red Bull Energy Drink (67,37 Prozent), Rama Unilever Culinesse (63,87 Prozent), Teekanne Fix Minze Doppelkammer (54,26 Prozent) und Fratelli Averna – Averna Amaro Siciliano (50,05 Prozent).

Alle Preise wurden zwischen 9. und 12. April 2018 ohne Berücksichtigung von Mitglieds- bzw. Kundenkarten oder Mengenrabatten erhoben. Es wurden jene Preise herangezogen, die ein Konsument, der ohne Mitgliedskarte das Geschäft betritt, für ein Produkt am Tag der Preiserhebung zahlen hätte müssen. Dies inkludiert auch Aktionspreise. Bei den angegebenen Preisen handelt es sich um Inklusiv-Preise, das heißt der entsprechende Umsatzsteuersatz in Österreich und Deutschland ist enthalten. Die Umsatzsteuer-Sätze zwischen Deutschland und Österreich unterscheiden sich nur geringfügig. Der Mehrwertsteuersatz beträgt in Österreich 20 Prozent bzw. 10 Prozent (ermäßigter Steuersatz), in Deutschland 19 bzw. 7 Prozent (ermäßigter Steuersatz).

AK forder Europäische Kommission zum Handeln auf

„Obwohl die AK Tirol die entsprechenden Stellen der Europäischen Kommission bereits mehrfach informiert und zum Handeln aufgerufen hat, blieben diese bis dato untätig. Wie oft müssen so enorme, nicht begründbare Preisunterschiede denn noch aufgezeigt werden, damit in Brüssel endlich etwas geschieht?“, fragt AK-Präsident Erwin Zangerl. Ebenso werde erneut die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde informiert, die bereits ein wachsames Auge auf die Preisgestaltung geworfen habe. (TT.com)