Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 06.05.2018


Standort Tirol

Zu wenig Saisonkräfte: Gemüseernte gefährdet

Ohne Erntehelfer aus Nicht-EU-Ländern sieht es für Tiroler Gemüsebauern schlecht aus.

© Böhm(Symbolfoto)



Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Wien – Hochwertige Produkte, gute Witterung. Trotzdem ist die Stimmung unter Tirols Gemüsebauern getrübt. Das Fehlen von Erntehelfern wird immer mehr zum größten Problem auf den Feldern. Über die Jahre hat sich das Kontingent von Nicht-EU-Ernte­helfern von 400 auf 200 reduziert. Gleichzeitig hat die Produktion vom Bauernkistl bis zur Exportware jedoch zugenommen.

Tirols Gemüsebauern schlagen Alarm. Der Thaurer Andreas Norz: „Wir bauen als Spezialfrucht Erdbeeren auf fünf Hektar an. In kurzer Zeit ist die Erdbeere zu ernten. Wenn das Kontingent weiter niedergefahren wird, haben wir keine Chance, am Gemüsemarkt zu bestehen“, erklärt Norz. Dabei hat er noch Glück, dass er viele jahrelange treue Arbeitnehmer hat.

Ähnliches berichtet Romed Giner vom gleichnamigen Gemüsebaubetrieb. „Wir hatten acht Leute aus Drittstaaten, jetzt sind es nur noch sechs Arbeiter. Zwei haben nun nach Deutschland gewechselt. Das ist eine kritische Situation für uns“, meint Giner. Was das Erntehelferkontingent betrifft, ist Tirol gegenüber den östlichen Bundesländern stark benachteiligt, da dort Tagespendler aus Ungarn, der Slowakei oder Tschechien auf die heimischen Felder strömen.

Für NR Hermann Gahr (VP) ist es notwendig, die prekäre Situation in Wien zu verdeutlichen. Am Dienstag spricht er dazu mit Sozialministerin Beate Hartinger-Klein. Gahr gestern zur TT: „Der heimische Arbeitsmarkt ist abgesaugt und die Erntesaison steuert dem Höhepunkt zu. Die Situation ist prekär und ich fordere nach Gesprächen nun endlich klare Aussagen vom Sozialministerium!“