Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.05.2018


Bezirk Imst

Bier aus heimischem „Anbau“

Die Brauerei Starkenberg lässt heuer auf zehn Hektar von acht Bauern im Bezirk Braugerste anbauen. Die Landwirte erreichen damit „einen lukrativen Marktpreis“, weshalb ein Ausbau des Anbaus möglich scheint.

© PaschingerBraumeister Alexander Zeischka, Brauerei-Chef Martin Steiner, Otmar Juen, Michael Gitterle und der Direktor der LLA Imst, Josef Gstrein (v. l.), sind vom Erfolg des Anbaus der Braugerste im Bezirk Imst, wie hier in Imst-Brennbichl, überzeugt.



Von Alexander Paschinger

Tarrenz, Imst – Wenn heuer alles gut geht, dann werden rund 40 Tonnen Brau­gerste zum Schloss Starkenberg hinaufgeliefert. Nach dem Aussortieren der Körner und dem Mälzen, also dem Keimen des Getreides, das wichtige Enzyme freisetzt, kann dann mit dem Bierbrauen begonnen werden, erklärt Braumeister Alexander Zeischka die jahrtausendealte Kunst des Bierbrauens. „Unfiltriert“ soll es werden, sagt Brauereichef Martin Steiner. Ein eigenes Bier in einem eigenen Gebinde – denn es wird aus Braugerste hergestellt, das auf Äckern im Bezirk Imst gedeiht.

Auf diese Idee hatte ihn der Direktor der Landwirtschaftsschule (LLA) Imst, Josef Gstrein, gebracht. „Zillertal Bier“ hatte nämlich schon mit Oberländer Getreide Bier gebraut. Und auch „Starkenberger“ bewegte sich mit einem Biobier auf dieser Schien­e: „Das läuft gut“, bestätigt Steiner. Und auch dieses neue Bier soll letztlich ganzjährig angeboten werden.

„Ein Blick ins Gurgltal hinunter zeigt doch schon mehrere Getreideflächen“, sagt Gstrein. Otmar Juen, der Geschäftsführer der Imster Landwirtschaftskammer, ergänzt: „In den 1950er-Jahren gab es in Tirol 1500 Hektar Getreideanbau, heute sind es nur noch 600.“

„Bei Grünland und Maisanbau würde sich Getreide gut anbieten“, verweist Gstrei­n auf die Wichtigkeit der Fruchtfolge für den Boden. „Und die Bauern erzielen mit der Braugerste einen durchaus lukrativen Marktpreis.“

Der Verbindungsmann zwischen Brauerei und Bauern ist der Schönwieser Michae­l Gitterle. Er präsentierte den Landwirten das Projekt. Diesmal geht es nämlich nicht um die Bio-Schiene – es geht um den Anbau der konventionellen Braugerst­e mit Namen „Salome“. In Zusammenarbeit mit der Saatgut­genossenschaft in Flaurling konnte das Keimgut für heuer gestellt werden. Insgesamt acht Bauern im Bezirk aus den Gemeinden Tarrenz, Mieming, Silz und Imst baue­n „Salome“ auf jeweils 0,8 bis zwei Hektar Land an. „Das Interesse bei anderen ist bereits geweckt“, sagt Gitterle. Allerdings seien die noch mit anderen Anbauverpflichtungen beschäftigt.

Dieses konventionelle, heimische Bier wird „jetzt einmal ein bis zwei Prozent unserer Gesamtproduktion bedeuten“, erklärt Steiner. Langfristig sei natürlich mehr geplant. „Auch das ist eine Form der Nachhaltigkeit.“

Acht Landwirte liefern heuer an – in Zukunft sollten es mehr werden.
- Paschinger