Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.05.2018


Standort Tirol

Tirols Industrie boomt, Druck für Reformen

© Thomas Boehm / TTSieht Zeitfenster für Reformen: IV-Präsident Christoph Swarovski.



Wattens – Optimismus herrschte gestern bei der Mitgliederversammlung der Industriellenvereinigung Tirol in Wattens. Die Tiroler Industrie sei mit einem Wertschöpfungsanteil von 23 Prozent der weitaus größte Wirtschaftsbereich des Landes. Mit mehr als 41.000 Beschäftigten sei der Mitarbeiterstand stabil, mit ausreichend Fachkräften wäre sogar eine noch bessere Entwicklung möglich, sagt IV-Präsident Christoph Swarovski. Der Produktionswert von 10,7 Mrd. Euro bedeute ein Plus von 6,8 Prozent. Von den rund 590 Mio. Euro privaten Forschungsausgaben in Tirol kommen laut Swarovski über 90 Prozent aus der Industrie. Die Tiroler Unternehmen hätten zusammen erstmals mehr als 1 Mrd. Euro an Körperschaft- und Einkommensteuer an den Staat abgeliefert.

„Die Betriebe tun alles, um ihre Erfolge abzusichern und Arbeit und Wertschöpfung im Land zu halten. Die Aussichten sind derzeit durchwegs positiv. Diese Hochkonjunktur muss die Bundespolitik aber als Zeitfenster nutzen, um längst fällige Reformen umzusetzen“, stellt Swarovski fest. Der Wirtschaftsstandort Österreich müsse „gegenüber vergleichbaren Ländern aufholen und kann erst dann zum Überholen ansetzen“. Das gelte für die Arbeitszeitflexibilisierung, Entbürokratisierung, die Vermeidung von Gold Plating (Übererfüllung von EU-Vorgaben) ebenso wie für die steuerliche Entlastung etwa nicht entnommener Gewinne. Auch bei der angekündigten Reform der Sozialversicherungen stärkt die IV-Tirol der Bundesregierung den Rücken. Die Strukturen müssten einfacher und transparenter werden. In der Diskussion um anstehende Reformen mahnte der IV-Präsident Sachlichkeit und einen korrekten Umgang der Sozialpartner miteinander ein.

Mit dem Regierungsübereinkommen in Tirol ist die Tiroler Industrie weitgehend zufrieden. Es gehe jetzt aber um die Umsetzung der angekündigten Digitalisierungsoffensive, die Aus- und Weiterbildung, die flächendeckende Kinderbetreuung und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel. (TT)




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