Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.05.2018


Bezirk Landeck

Schwächen am Arbeitsmarkt im Bezirk aufgezeigt

Mehr als ein Viertel aller Beschäftigten im Bezirk verdienen ihr Geld in saisonalen Tourismusjobs. Nur 22,7 Prozent der Frauen arbeiten ganzjährig in Vollzeit.

© Keystone36 Prozent aller 12.435 unselbstständig erwerbstätigen Frauen im Bezirk Landeck hatten 2016 einen Job im Tourismus.Symbolfoto: Keystone



Von Helmut Wenzel

Landeck – Dank guter Konjunktur hat sich der regionale Arbeitsmarkt stabilisiert: Das Landecker AMS meldete in den vergangenen Monaten fast durchwegs rückläufige Arbeitslosenzahlen.

In der kürzlich veröffentlichten Einkommensstudie 2016 der AK Tirol werden allerdings für den Tourismusbezirk Land­eck wie in den Jahren zuvor wenig schmeichelhafte Kennzahlen ausgewiesen.

So lag der Anteil der ganzjährig Beschäftigen im Bezirk bei 54,6 Prozent, tirolweit jedoch bei 69,6 Prozent. 53,6 Prozent der Männer hatten einen ganzjährigen Vollzeitjob, bei den Frauen waren nur 22,7 Prozent ganzjährig in Vollzeit beschäftigt. „Dieser äußerst geringe Anteil an ganzjähriger Vollzeitarbeit und die wichtige Position des eher einkommensschwachen Tourismus wirken sich deutlich auf das Durchschnittseinkommen in Landeck aus“, heißt es in der Studie. „Auf den Tiroler Durchschnitt fehlen 11,7 Prozent, im österreichweiten Vergleich sogar 18 Prozent.“ Womit Landeck am vorletzten Platz im Ranking der 117 Bezirke Österreichs zu finden ist. Basis der Analyse sind die Lohnsteuerdaten der Statistik Austria, wie Autor Armin Erger bestätigte. Aus dieser geht auch hervor, dass 2016 in Summe 26.108 Personen unselbstständig beschäftigt waren. Jeder Job zählt, auch wenn jemand nur einen Tag angemeldet war. Abweichend dazu weist das AMS rund 20.000 Beschäftigte jährlich für den Bezirk aus. „Bei uns wird der Beschäftigtenstand am Letzten eines Monats herangezogen und daraus der Jahresdurchschnitt berechnet“, erläuterte AMS-Leiter Günther Stürz.

Mit einem Nettojahreseinkommen von 22.365 Euro fehlten den Männern 9,2 Prozent auf den Tirol-Schnitt und 13 Prozent auf den Österreich-Schnitt. Den Frauen, die 13.167 Euro verdienten, fehlten 16,5 Prozent auf den Tirol- und 25,5 Prozent auf den Österreich-Schnitt. „Die Einkommen der Landecker Frauen waren die niedrigsten in ganz Österreich“, zeigt der AK-Experte auf.

„Es sind reale Zahlen und Fakten aus dem Bezirk, die für sich sprechen“, resümierte AK-Bezirksstellenleiter Peter Comina. „Es gibt nichts zu beschönigen. Wir haben es seit Jahren mit strukturellen Problemen der Wirtschaft zu tun.“ Tourismusfunktionären, die ihre Branche in höchsten Tönen loben, könne er nur empfehlen, sich diese Studie anzuschauen, so Comina.