Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.05.2018


Bezirk Schwaz

Neue Schwarzensteinhütte mit treuer, alter Seele

Die 125 Jahre alte Schwarzensteinhütte in den Zillertaler Alpen musste abgerissen werden. Der Neubau auf 3030 Metern Höhe öffnet Ende Juni.

© Knapp



Von Eva-Maria Fankhauser

St. Johann i. Ahrntal – Es geht steil bergauf. Schweiß tropft von der Stirn. Der Rucksack wiegt schwer auf den Schultern. Seit Stunden sind die Bergsteiger unterwegs. Der letzte Wegabschnitt führt zu einem Kamin. Über Metallleitern und gesichert an Fixseilen muss geklettert werden. Oben angekommen, verschlägt es einem den Atem. Das Panorama von den Hohen Tauern bis zur Marmolata entschädigt für den knapp vierstündigen Aufstieg. Der Blick schweift zum eigentlichen Ziel: dem Schwarzenstein. Der 3000er markiert in den Zillertaler Alpen die Grenze zwischen Tirol und Südtirol. Und wer den Berg bezwingen will, kommt an einem nicht vorbei: einer Einkehr in der beliebten Schwarzensteinhütte auf der Südtiroler Seite des Alpenkammes.

Doch dort wo einst die Schwarzensteinhütte stand, ist nichts mehr. Die etwa 125 Jahre alte Schutzhütte ist weg. Abgerissen. „Sie stand auf einer Schneide und die höheren Temperaturen der letzten Jahrzehnte haben den Boden instabil werden lassen“, erklärt Hüttenwirt Günther Knapp. Dafür wird nun 100 Meter darüber eine neue gebaut. Zwei Sommer lang wurde auf rund 3030 Metern Höhe gewerkt. Dazu wurde eigens eine Materialseilbahn errichtet. Denn Straße führt keine dort hinauf. „Die Seilbahn wird aber wieder abgetragen“, sagt Knapp. Auch zahlreiche Heliflüge waren nötig, um mit den Bauarbeiten voranzukommen.

Die alte Schwarzensteinhütte bot einen eindrucksvollen Ausblick, stand jedoch auf einem instabilen Untergrund.Foto: Fankhauser
- Knapp

Die neue Hütte ragt wie eine schmale Zinne empor. Auf fünf Ebenen finden sich eine große Stube, Küche, Waschräume, Schlafkojen, Lager, Räumlichkeiten für Knapp und seine Mitarbeiter sowie eine Werkstatt und ein Trockenraum. Die Bettenzahl bleibt bei 50 Plätzen. Die unteren Stockwerke sind aus Beton. „Der Rest ist reiner Holzbau aus Fichte und Lärche. Außen wurde alles mit einem Kupferblech verkleidet. Das soll für die Ewigkeit sein“, sagt Knapp. Das Ahrntal habe eine starke Verbindung zu Kupfer. „So wie die Schwazer eine enge Bindung zum Silber haben“, meint Knapp. Am Dach werden Kollektoren zur Stromerzeugung und Warmwasseraufbereitung montiert. „Internet funktioniert hier gut. Ob es mit dem Telefonieren besser geht, wird sich zeigen“, sagt er. Vieles hänge auf dieser Höhe vom Wetter ab. Rund drei Millionen Euro soll der Abriss und Neubau kosten. Besitzer der Hütte ist die Autonome Provinz Bozen.

Er freut sich schon auf die Sommersaison. Ab 30. Juni ist die neue Hüttentür geöffnet. „Es wird nicht alles komplett fertig sein und sicher noch das ein oder andere technische Problem geben, aber auf dieser Höhe ist eben alles etwas komplizierter“, sagt er. Fünf-Sterne-Komfort könne Knapp nicht bieten. Wolle er auch nicht. „Das ist eine hochalpine Hütte, hier wandert man nicht einfach mal so herauf. Das ist eine Unterkunft für Bergsteiger“, sagt Knapp. Die Schutzhütte sei gerade wegen ihrer Lage zwischen der Greizer und Berliner Hütte ein wichtiger Standort fürs Zillertal und Südtirol. Und unter den Bergsteigern ist der „Günther von der Schwarzensteinhütte“ eine wahre Legende. Besonders die Zillertaler hat er ins Herz geschlossen. Ein, zwei Schnapserln, seine berühmte Hüttenpasta und das Blaulicht gehören einfach dazu. Auf die Frage, was ihn nach 40 Jahren noch immer Sommer für Sommer auf die Schwarzensteinhütte zieht, antwortet er: „Die grandiose Aussicht.“

Die alte Schwarzensteinhütte bot einen eindrucksvollen Ausblick, stand jedoch auf einem instabilen Untergrund.
- Fankhauser