Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 25.05.2018


Bezirk Imst

Söldens teure Infrastruktur

Nicht nur die Tourismusbetriebe investieren derzeit kräftig. Für die Umstellung bei der Wasserver- und Abwasserentsorgung greift man auf „komplexes, altes Wissen“ zurück.

© PloderDas ehemalige Altenwohnheim soll abgerissen werden und TVB bzw. Wohnungen Platz machen.



Von Thomas Ploder

Sölden – Nach dem Ende der Wintersaison steht der Tourismus-Hotspot Sölden wie in jedem Jahr im Zeichen reger Bautätigkeit. Dabei investieren nicht nur die Beherbergungsbetriebe, Handel und Gewerbe in Neu-, Zu- und Umbau. Auch Ötztal Tourismus und Gemeinde stellen enorme Summen für Projekte wie Piccardsaal, Freizeit­arena, Rad- und Rodeltrassen oder die Neugestaltung des Dorfkerns bereit.

Dazu kommen aber auch noch jene Bereiche, die der Bevölkerung dienen. Das Sozialzentrum wurde bereits fertig gestellt, Kindergartenneubau und Schulsanierung verlaufen nach Plan.

Der Plan, das ehemalige Altenheim zu sanieren, wurde zwischenzeitlich verworfen, derzeit favorisieren die Sölder den kostengünstigeren Abriss und in Zusammenarbeit mit einem Bauträger einen Neubau. Dieser soll teilweise als Verwaltungsgebäude für den Ötztal Tourismus sowie von der Gemeinde für Wohnzwecke genutzt werden.

Neben dem allgemein erkennbaren Aufwand bereiten vielfach „unsichtbare Belastungen“, insbesondere Betriebs- und Erhaltungskosten etc., zunehmend Sorgen. Aktuell werden bis zu 600.000 Euro in die Fortführung des Prozessleitsystems der Wasser- und Abwasseranlagen gepumpt. „Ein sehr spezielles und für Sölden typisches Problem, treten doch nicht nur jahreszeitlich bedingte Schwankungen auf“, erklärt dazu Söldens Bürgermeister Ernst Schöpf, „während in anderen Gemeinden der Trinkwasserverbrauch und die Abwassermenge relativ konstant bleiben, müssen wir enorme saisonale Schwankungen meistern.“

Das Problem wurde akut, weil die enorm komplexe EDV-Lösung parallel zur Inbetriebnahme des Klärwerks 2005 von Gerhard Pichler für die Gemeinde erarbeitet und seither betreut wurde. Pichler tritt in den Ruhestand, ist aber bereit, die auf drei Jahre anberaumte Umstellungsphase zu begleiten. Dazu ist es erforderlich, dass die Nachfolger die verwendete und zwischenzeitlich veraltete Programmiersprache beherrschen. Ein Problem, das auch in anderen Gemeinden besteht und teilweise bereits gelöst wurde.

Eine Umstellung auf aktuelle Technik würde mindestens 1,2 Mio. Euro erfordern, ist nach Meinung der Gemeindeführung aber weder nötig noch sinnvoll. Im Zuge der Diskussionen wurde deutlich, mit welchen Risiken die Reduktion auf einen einzelnen Experten verbunden ist.

Die Gemeinde entschloss sich deshalb dazu, das bestehende System zukünftig von einem regionalen Unternehmen mit entsprechender Kompetenz und besten Referenzen betreuen zu lassen.

Eine große Investition bedeutet die Umstellung der Wasser- und Abwasseranlagen.
- Ploder



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