Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 03.06.2018


Exklusiv

Regionalität muss stets aufs Neue verteidigt werden

Die Küche der Tirol Kliniken müsste um 10 Mio. Euro saniert werden, nun sucht man neue Möglichkeiten. Regionale Lieferanten hoffen auf weitere Kooperation.

© BöhmIn der Innsbrucker Klinik arbeiten 134 Personen in der Großküche, die pro Tag 5700 Essen zubereitet. Regionalität wird dabei großgeschrieben. Nun müsste die Küche um 10 Millionen Euro renoviert werden, die Führung ist auf der Suche nach Lösungen.



Von Alexandra Plank

Innsbruck — „In Sachen Regionalität sind wir top", ist Johannes Schwamberger, Pressesprecher der Tirol Kliniken, überzeugt. Am Mittwoch wurden die Krankenanstalten für ihr Bekenntnis zu heimischen Produkten ausgezeichnet, die TT berichtete.

Markus Wille, Leiter der größten Betriebsküche Tirols, erklärt, dass Umwälzungen anstehen. Es gelte das 20 Jahre alte „Cook and Chill"-Verteilsystem auszutauschen. Laut Schwamberger gehen die Neuerungen darüber hinaus. Die Sanierung der Küche wird mit 10 Millionen Euro veranschlagt. Die Klinikleitung sehe sich nun praktikable Lösungen an. Eine Auslagerung, wie sie seit drei Monaten im Testbetrieb im Landeskrankenhaus Hall läuft, sei eine von vielen möglichen Varianten. Indes kocht die Gerüchteküche über. So mancher regionale Lieferant fürchtet, bei einem auswärtigen Anbieter ausgebremst zu werden. Besorgt wird darauf verwiesen, dass die Politik keinen Einfluss mehr habe, wenn ein externer Anbieter die Ausschreibung erst einmal gewonnen habe.

Seitens der Tirol Kliniken will man derartige Befürchtungen zerstreuen: Arbeitsplatzsicherung, Regionalität und Ökologie seien bei der Neuorganisation der Verköstigung prioritär. In der Klinikküche sind 134 Personen beschäftigt, das sind 109 Ganztagesstellen. 5700 Essen werden täglich zubereitet. Obst und Gemüse wird zu 65 Prozent bei Tiroler Bauern gekauft. Der Auftragswert beträgt 100.000 Euro. Josef Schirmer, Obmann der Tiroler Gemüsebauern, hofft, dass die Tirol Kliniken weiterhin zur Regionalität stehen. „Die Bauern müssen von der Regionalität profitieren, das darf kein Deckmäntelchen sein."

Auch andere bäuerliche Produkte wie Fleisch und Wurst werden zu 67 Prozent in Tirol und zu 100 % in Österreich gekauft. Brot stammt zu 100 % aus Tirol, Milch zu 100 % aus Tirol bzw. Österreich. Der Jahresverbrauch liegt bei 155 Tonnen, der Auftragswert beläuft sich auf rund 320.000 Euro. Nudeln und Mineralwasser werden zur Gänze von Tiroler Produzenten bezogen. „Pro Tag werden an die 4,5 Tonnen Lebensmittel in der Zentralküche verarbeitet, was wir bekommen, beziehen wir von heimischen Lieferanten", betont Wille.

Seitens der Opposition gibt es indes Zweifel, ob dieser Kurs fortgesetzt wird oder das Beispiel Hall Schule macht. Die Liste Fritz hat eine Anfrage wegen der Verköstigung der Patienten im Landeskrankenhaus Hall gestellt. Seit Anfang April 2018 werden die Mahlzeiten dort von einer externen Firma geliefert.

Andrea Haselwanter-Schneider will wissen, weshalb die Krankenhausküche in Hall bei der Fusionierung der Krankenhäuser Hall und Innsbruck geschlossen wurde. „Für kranke Menschen, die besondere Ernährung benötigen, ist das ein Schildbürgerstreich."

Im psychiatrischen Krankenhaus werde in einer kleinen Küche gekocht. Man sollte diese ausbauen und modernisieren. Nachfrage gebe es. In der Nachbarschaft befänden sich weitere landeseigene bzw. landesnahe Betriebe (z. B. UMIT), deren Angestellte man mitversorgen könnte. „Der Standort Hall sollte mit einer Küche aufgewertet und Patienten und Mitarbeiter mit regionalen Produkten versorgt werden", resümiert die Abgeordnete.