Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.06.2018


BBT-Zulaufstrecke

ÖBB packen Trassenpläne für Unterinntalbahn aus

Ab Montag präsentieren die Bundesbahnen die Pläne für den Weiterbau der Unterinntalbahn bis Langkampfen. Knackpunkt wird die Länge der offenen Streckenabschnitte.

© OtterNorman Schubert und Martin Gradnitzer (von links) vor den Plänen für die Bahntrasse.Foto: Otter



Von Wolfgang Otter

Kundl – 2009 fiel die Entscheidung darüber, wo die Unterinntalbahn zwischen Radfeld und Langkampfen weitergeführt wird. Es ist der zweite Teil der Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel mit einer Länge von rund 20 Kilometern. Zwischenzeitlich wurden die Planungen zurückgefahren, um nun mit voller Fahrt in Richtung Neubau vorangetrieben zu werden.

Ab Montag sind die Planer unterwegs, um in den betroffenen Gemeinden im Unterland ihre Pläne ans Volk zu bringen. Denn bei den ÖBB setzt man auf weitreichenden Konsens in Kundl, Angath und Langkampfen, die unmittelbar vom Bau betroffen sein werden. „Wir haben für die Anliegen ein offenes Ohr“, versprechen Projektkoordinatoren Norman Schubert und Martin Gradnitzer. Nur eines ist klar: Nicht alles, was die Grundbesitzer, Anrainer und Gemeinden wollen, wird man erfüllen können.

Vor zehn Jahren hatten sich die ÖBB erstmals Vorschläge und auch ganz klare Positionen von den Gemeinden abgeholt. Einiges konnte dann auch direkt in die weitere Planung einfließen. Zum Beispiel in Kundl: Dort war eine der Forderungen, den offenen Bau des Tunnels, der unter der Gemeinde verläuft und im Westen außerhalb des Ortsgebiets beginnt, nur bis auf Höhe der Breitenbacher Innbrücke zu führen. Diesem Wunsch konnte man Folge leisten. Nach der Brücke beginnt bereits der bergmännische Vortrieb des Angerberger Tunnels. Wo der endet, ist einer der ganz großen Knackpunkte. Nach den ersten Pläne sollte die Röhre nach zehn Kilometern im Bereich Angath für einen kurzen Abschnitt offen geführt werden, um danach wieder für ein Stück unter der Erde zu verschwinden. Schluss der neuen Unterinntalbahn ist oberirdisch mit dem Verknüpfungspunkt der alten und neuen Trasse bei Langkampfen.

Die zehn Tunnelkilometer entsprachen damals gesetzlichen Vorgaben, die aufgeweicht wurden, wie von den Planern zu erfahren ist. Damit ergibt sich für Angath eine neue Perspektive. Der Tunnel könnte um zwei Kilometer verlängert werden. Vorteil: Die Autobahn müsste nicht weiter nach Süden verlegt werden. Nachteil: Der Bau wird teurer.

Der schärfste Wind dürfte bei den Informationsabenden den ÖBB in Langkamp­fen entgegenwehen. Die Bahn plant hier eine offene Trassenführung und durchschneidet landwirtschaftliche Flächen. Für Bürgermeister Andreas Ehrenstrasser ist die Forderung ganz klar: Die Bahn müsse so lange wie möglich unter der Erde verlaufen. Dies entspricht auch einem Gemeinderatsbeschluss, der seit 30 Jahren aufrecht ist.

Bis der erste Zug über die Gleise der neue Trasse brausen kann, wird aber noch einiges Wasser den Inn hinunterfließen: Vorerst gibt es eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Angepeilter Fertigstellungstermin ist 2032. Auf Baubeginn und Kostenrahmen wollen sich Norman Schubert und Martin Gradnitzer nicht festlegen.

Jeweils zwischen 17 und 20.30 Uhr können sich Interessierte am Montag, 11. Juni, im Gemeindesaal Angath und am Dienstag, 12. Juni, im Gemeindesaal Kundl informieren. Am Montag, 19. Juni, stehen zwischen 16 und 20.30 Uhr die Experten im Gemeindesaal Langkampfen zur Verfügung. Dort werden die Techniker erstmals Grobtrassen zum grenzüberschreitenden Abschnitt zwischen Schaften­au und dem Raum Rosenheim präsentieren.