Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.06.2018


Standort Tirol

Des Touristen Angst vorm Berg

Die österreichischen Touristiker rechnen auch in der heurigen Sommersaison mit einem neuen Gästerekord. Vor allem der Sommer in den Bergen wird heuer stärker beworben.

© iStockUrlaub in den Bergen ist ebenso sicher, entspannend und erholsam wie Strandurlaub, betonen Touristiker.



Wien – Bereits im vergangenen Sommer feierte der öster­reichische Tourismus mit knapp 24 Mio. Ankünften und 75 Mio. Nächtigungen neue Rekordmarken. Auch für die aktuelle Sommersaison zeigen sich die heimischen Touristiker optimistisch, wie die Öster­reich Werbung (ÖW) und die Seilbahnbetriebe bei einem Pressegespräch in Wien erklärten.

„Der Tourismus wächst stärker als die gesamte Wirtschaft“, erklärte Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung (ÖW). Sie hofft, dass auch Österreich davon profitieren wird. Die Welttourismusorganisation UNWTO erwarte jedenfalls heuer einen Anstieg der internationalen Ankünfte um 4 bis 5 Prozent.

Das größte Wachstum wird bei den Städteurlauben (+18 Prozent) vorausgesagt, vor dem klassischen Bade- bzw. Strandurlaub (+9 Prozent). „Aber auch neue Entdeckungen und Erlebnisse in der Natur sind gefragt“, sagt Stolba. Vor allem Wander- und Radurlaube stünden hoch im Kurs.

Rund 60 Prozent der im Sommer gezählten Ankünfte in Österreich würden auf Urlaub in der Natur entfallen. Vor allem für Urlaub in den Bergen leiten die heimischen Touristiker aus einer aktuellen Studie weiteres Wachstums­potenzial ab. Dafür wurden 40 Personen aus Deutschland und Ostösterreich jeweils zwei Stunden tiefenpsychologisch nach ihren Urlaubssehnsüchten und ihren Vorstellungen zum Berg­urlaub befragt. Demnach sei der Prototyp des gelungenen Urlaubs der unbeschwerte Strandurlaub, bei dem man sich um nichts kümmern muss. Ganz anders sieht das Ergebnis – vor allem bei Menschen ohne Erfahrung mit Bergen – beim Bergurlaub aus. Dieser lasse Befürchtungen aufkommen wie wechselndes Wetter, steinige Bergwege, Verletzungsgefahr und aufwändige Ausrüstung. Man fürchte, sich nicht erholen zu können.

Wichtig sei es daher, in der Werbung zu zeigen, dass man auch in den Bergen sicheren, erholsamen und entspannenden Urlaub machen kann, erklärte Holger Sicking, Leiter Tourismusforschung & Datenanalyse der ÖW. Außerdem sei die Bandbreite an möglichen Aktivitäten intensiver darzustellen.

Eine wichtige Rolle würden dabei die Seilbahnen als Aufstiegshilfen spielen. Rund 200 der 253 heimischen Seilbahnen hätten auch im Sommer geöffnet, sagt Franz Hörl, Obmann des Fachverbands der Seilbahnen Österreich in der Wirtschaftskammer (WKÖ). Viele Seilbahnen würden den Sommerbetrieb durch Mittel der ertragsreicheren Wintersaison querfinanzieren, um dem Ziel Ganzjahrestourismus näher zu kommen. 15 Prozent ihrer Umsätze machen die Seilbahnen im Sommer. Das waren von Mai bis Oktober 2017 rund 50 Millionen Beförderungen mit umgesetzten 196 Millionen Euro (+2 Prozent).

Mit rund 5,86 Millionen Ankünften verzeichnete auch Tirol im vergangenen Sommer einen neuen Rekord und begrüßte dabei beinahe dieselbe Zahl an Gästen wie im Winter (5,88 Mio.). Mit 26,46 Millionen Nächtigungen hat der Winter bei den Übernachtungen jedoch die Nase deutlich vorn (Sommer 2017: 21,18 Millionen Nächtigungen). (ecke)




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