Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.06.2018


Tirol

Tiroler Tourismus-Zwerge bei Wertschöpfung ganz groß

Laut Studie profitieren kleine Tourismus-Regionen über Umwege enorm von Tourismus-Hochburgen. Auch Handel und Bau unter größten Nutznießern.

© Thomas BöhmDer Vorjahresumsatz der Seilbahnen von 667 Mio. Euro könnte – auch wegen der Preiserhöhungen – heuer spürbar überboten werden.



Von Max Strozzi

Innsbruck – 6,7 Mrd. Euro wurden durch den Tiroler Tourismus in den vergangenen zwölf Monaten (Sommer 2017 und Winter 2017/2018) an Wertschöpfung generiert. Das hat die Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) erhoben. In der Studie wurden nicht nur die direkte Wertschöpfung im Tourismus, sondern auch die Auswirkungen auf andere Branchen berücksichtigt: beispielsweise die Vorleistungen, die Betriebe anderer Branchen für den Tourismus erbringen – vom Anwalt über den Steuerberater bis zur Marketingfirma (indirekter Effekt). Oder aber die so genannten induzierten Effekte – wenn etwa der Koch sein Gehalt ausgibt und damit in anderen Branchen Jobs und Einkommen sichert.

Interessant ist dabei, welche Regionen am meisten von den Gästenächtigungen in ganz Tirol profitieren. So hat die Tourismusregion Innsbruck und seine Feriendörfer mit einer Wertschöpfung aus dem Tourismus von 1,2 Mrd. Euro die Nase vorne und überholt damit den Nächtigungskaiser Ötztal, der auf eine Wertschöpfung von 409 Mio. Euro kommt. Dahinter folgt Osttirol mit 300 Mio. Euro. „Die Tourismus-Wertschöpfung in der Region Innsbruck/Feriendörfer ist deshalb so stark, weil viele Vorleistungen – vom Juristen über den Steuerberater, das Marketingbüro oder den Handel – in Ballungsgebieten stärker vertreten sind“, erklärt Stefan Haigner vom GAW. Sprich: Der Anwalt, den beispielsweise ein Ötzaler Hotelier bezahlt, sitzt in Innsbruck, weshalb durch den Tourismus im Ötztal auch in der Hauptstadt Wertschöpfung generiert wird. Oder der Koch kauft mit seinem im Ötztal verdienten Geld in Innsbruck ein Sofa.

Diese Effekte führen dazu, dass selbst nächtigungsschwache Regionen vom Tiroler Tourismus stark profitieren. Die Region Hall/Wattens – vorletzter bei den Nächtigungen – rückt im Wertschöpfungs-Ranking auf Platz vier vor (260 Mio. Euro), das Kufsteinerland auf Rang 5 (250 Mio. Euro), die Silberregion Karwendel auf Rang acht (220 Mio. Euro). Nächtigungsstärkere Regionen wie Zillertal/Fügen/Kaltenbach (6.), Paznaun/Ischgl (7.) oder Serfaus-Fiss-Ladis sacken im Wertschöpfungsranking etwas ab. „Nächtigungskaiser sind nicht immer Wertschöpfungskaiser“, so GAW-Ökonom Haigner: „Die Studie kann dazu beitragen, dass man sieht, wo die Nutznießer des Tourismus sind, was etwa vor dem Hintergrund der Tourismusabgabe interessant sein könnte.“

Unter den Branchen profitierte laut GAW der Handel am meisten, der durch Folgeeffekte des Tourismus eine jährliche Wertschöpfung von 900 Mio. Euro generierte. Dort seien somit 17.000 Jobs gesichert und 517 Mio. Euro an Löhnen verdient worden. Der Bau kam auf 600 Mio. Euro Wertschöpfung, 9000 Jobs und 350 Mio. Euro Lohnsumme, der Bereich Immobilien/Unternehmensdienstleistungen auf 760 Mio.Euro Wertschöpfung, 5200 Jobs und 170 Mio. Euro Löhne.

Zuletzt hatte die Industrie mit einer eigenen Wertschöpfungsstudie bei Touristikern für Irritationen gesorgt. Haigner: „Unsere Studie zeigt, dass sichtbar oder unsichtbar alle voneinander leben.“