Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.06.2018


Bezirk Landeck

„Die Bananen werden wir nicht regional bekommen“

Im Altenheim Zams werden vielfach regionale Lebensmittel verwendet. In Zukunft will man den Bauern im Bezirk bei der Vermarktung helfen.

© Tiroler TageszeitungRegionalität liegt im Trend. Im Altenheim Zams kommt das Rindfleisch aus heimischer Produktion.Foto: Böhm



Von Matthias Reichle

Zams, Landeck – Milch, Joghur­t, Butter, Eier, Erdäpfel, Brot, Fleisch: Was im Altenheim Zams-Schönwies auf den Tisch kommt, stammt selten aus dem Diskonter – vieles wird fast direkt vor der eigenen Haustür produziert. „Inzwischen haben wir sogar einen Rindfleischüberschuss. Wir können nicht mehr alles verarbeiten, was uns angeboten wird“, betont Heimleiter Toni Pircher.

Das war nicht immer so. Vor wenigen Jahren war das Angebot noch überschaubar. Heute versorge man sich aber zu 70 Prozent aus der Region bzw. aus Tirol, erklärt Pircher – beim Rindfleisch zu 100 Prozent.

Dem Heim ist das ein besonderes Anliegen, Pircher und Küchenchefin Christine Schranz stehen voll hinter diesem Projekt. „Bei uns wird der Menüplan nach Saisonalität und Regionalität erstellt“, betont sie. Dass es einen Mehraufwand bedeutet, nimmt man im Heim gern in Kauf. Da müssen dann zum Beispiel die Bohnen nach dem Anliefern erst geputzt werden, während der Großhandel alles fix und fertig zustellt. Zudem müsse man stets Augen und Ohren offenhalten, um auf Produzenten aufmerksam zu werden. „Schweinefleisch wäre wichtig für uns“ – es ist aber regional nicht zu beziehen, so Schranz. Das gilt freilich auch für die Bananen, die im Altersheim hoch im Kurs stehen, schmunzelt sie.

Fast automatisch läuft die Anlieferung von Milch und Joghurt. Beides produziert der Zammer Landwirt und Obmann der Tiroler Jung­bauern Dominik Traxl. Am Erbhof in Zammerberg mit sieben Hektar Grünland – großteils in extremer Steillage – hält er fünf Melkkühe. Aus der Milch wird Natur- und Fruchtjoghurt produziert. „Wir kommunizieren fast nur noch per SMS“, so Schranz, die wie Traxl mit dieser Zusammenarbeit höchst zufrieden ist.

„Für uns sind sowohl der Betrieb von Dominik Traxl als auch das Altenheim Vorzeigebetriebe“, betont Bauernbunddirektor Peter Raggl. Bezirksbauernobmann Elmar Monz schließt sich dem an: „Bei uns im Bezirk gibt es nur Klein- und Kleinstbauern, am Weltmarkt wird man nicht mithalten können.“ Regionalität sei da eine Chance. „Man kann auch als Kleiner etwas erreichen, wenn man das Zepter in die Hand nimmt“, so Raggl.

Kürzlich wurde im Bezirk eine Modellregion ins Leben gerufen, um eine Partnerschaft zwischen bäuerlichen Produzenten und vor allem dem Tourismus ins Leben zu rufen – die TT hat berichtet. Künftig will man den Bauern stärker unter die Arme greifen, so Monz.

Projektleiter Bernhard Pircher, der die Modellregion aufbaut, weiß, dass die Voraussetzungen im Bezirk Land­eck in Sachen regionaler Vermarktung schlecht sind. Dass sich das Angebot an regionalen Produkten in den letzten Jahren verbessert hat, kann er nicht bestätigen. Nirgends sei die Landwirtschaft österreichweit so klein­strukturiert wie im Bezirk Landeck. Damit sich eine Organisation wie das Altenheim mit regionalen Lebensmitteln versorgen könne, sei viel Aufbauarbeit nötig. „Der Großteil der Landwirtschaft ist bei uns im Nebenerwerb“, bei vielen sei es nicht viel mehr als ein Hobby. „Es steckt viel Energie und Leidenschaft dahinter.“ Das macht es schwierig, alle Schritte vom Rohstoff über die Veredelung bis hin zur Werbung und Vermarktung zu setzen. „Es geht darum, Synergien zu finden und ein konkurrenzfähiges Produkt anzubieten.“