Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 19.06.2018


Bezirk Kufstein

Kufsteiner Kaiserlift lockt ins Naturschutzgebiet

166.000 Fahrten zählten die Betreiber des Kufsteiner Kaiserlifts im vergangenen Sommer. Mit geführten Wanderungen will man Gäste begeistern, doch wie viele Besucher verträgt der Berg?

© 166.000-mal beförderte der Kaiserlift vergangenen Sommer Wanderer ins Kaisergebirge. Mit der Bilanz sind die Betreiber zufrieden.Foto: W9 Studios



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Naturbegeisterte und solche, die es noch werden können, will man in Kufstein ins Kaisergebirge locken. Vor drei Jahren nahmen die Stadtwerke 3,9 Millionen Euro in die Hand, um den Kaiserlift neu zu bauen, heute lädt der Tourismusverband unter dem Titel „Naturerlebnis Kaisergebirge“ zu geführten Themenwanderungen ins markante Gebirge. Mit einer Jägerin auf Pirsch gehen, Almen entdecken oder sich beim Geocachen auf die Suche nach Schätzen begeben – „das Angebot mit Naturführern wird immer mehr genutzt und setzt sich langsam durch“, freut sich Markus Atzl, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Kufstein. Auch individuelle Wanderer erkunden das Naturschutzgebiet vermehrt mit dem Einersessellift. 2017 zählte man 166.000 Fahrten, im Jahr zuvor waren es 164.000, wobei der Weg zur Bergstation und retour wegen der Zwischenstationen als vier Fahrten zählt. Eine deutliche Steigerung verbuchen die Betreiber bei den Fahrgästen mit Saisonkarten oder KufsteinCard: Wurden 2016 noch 3400 Karten ausgegeben, waren es letztes Jahr schon 6000 Stück.

Dass man mit dem gezielten Angebot „Naturerlebnis“ noch mehr Personen in ein Naturschutzgebiet holt, verteidigen die Veranstalter und sprechen von „einer sanften Art, Tourismus zu gestalten“. Mit einer maximalen Anzahl von 250 Personen, die der Kaiserlift pro Stunde aufs Brentenjoch befördern kann, stehe man in keinem Vergleich zu Gondelbahnen, die bis zu 4000 Gäste schaffen, erläutert Martin Tschurtschenthaler. „Wir sind mit dieser Besucherzahl sehr zufrieden, da wir sehen, dass der Berg nicht Tausende von Leuten verkraftet“, so der Stadtwerke-Bereichsleiter für den Kaiserlift.

Einen von Politik und Wirtschaft immer wieder in den Raum geworfenen Winterbetrieb der Bahn hält Atzl für unrealistisch: Dafür gäbe es keine Genehmigung seitens der Seilbahnbehörde. Allein der Mindestabstand von den Sesseln zu den Trassen darunter sei bei Schneelage zu gering. Sinnvoll wäre dies ohnehin nur in Kombination mit einer Rodelbahn, die es in dem Gebiet nicht gibt, winkt Atzl ab. „Die Leute haben auch andere Ansprüche als früher. Man bräuchte eine Beschneiungsanlage und eine Beleuchtung für die Bahn. Das alles in einem Naturschutzgebiet – ich denke nicht, dass das überhaupt machbar wäre.“

Derzeit fährt der Kaiserlift von 1. Mai bis 31. Oktober. Naturgemäß sei die Nachfrage an den Samstagen groß. „Wir haben hier das Luxusproblem, dass man am späteren Vormittag bis zu eine Dreiviertelstunde lang anstehen muss“, schildert Atzl und weist auf eine Programmänderung hin: „Die Morgenfahrten finden heuer jeden zweiten Samstag ab 6 Uhr statt. Wir hoffen, die Situation damit entschärfen zu können.“ Am vergangenen Samstag fuhren 60 Frühaufsteher zwischen 6 und 7 Uhr dem Sonnenaufgang entgegen, die nächste Gelegenheit dazu gibt es am 30. Juni.

Die Begeisterung der Anrainer dafür hielt sich anfangs in Grenzen. Mittlerweile habe sich das Ganze „in Wohlgefallen aufgelöst“, so der Geschäftsführer. Dazu verzichte man in den frühen Morgenstunden auf Lautsprecherdurchsagen.