Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.07.2018


Exklusiv

Rätselraten rund um Kitzbüheler Bergbahnen

Ex-SP-Gemeinderat Wohlfahrtstätter glaubt, die Liechtensteiner Meleda könnte versuchen, die Mehrheit an den Kitzbüheler Bergbahnen zu erlangen.

© BöhmDen Kitzbüheler Bergbahnen drohen Turbulenzen.



Von Max Strozzi

Kitzbühel – Bei den Bergbahnen Kitzbühel herrscht Aufregung. Wie berichtet, weigert sich der Liechtensteiner Großaktionär Meleda, die Namen seiner Eigentümer zu nennen, obwohl dies der Gesetzgeber verlangt und den Bergbahnen andernfalls Finanzierungsturbulenzen drohen. Denn Banken könnten gezwungen sein, den Geldhahn abzudrehen, wenn sie die Personen hinter Meleda nicht kennt. Meleda-Vertreter und Ex-Bürgermeister Horst Wendling hält sich bedeckt.

Die Geschehnisse wecken bei Reinhardt Wohlfahrtstätter Erinnerungen an seine Zeit als Kitzbüheler SP-Gemeinderat und Aufsichtsrat der Bergbahnen. „Möglicherweise hat Meleda etwas vor und will sich daher nicht offenbaren“, glaubt er. Entweder versuche Meleda, ihre Aktien abzustoßen. „Oder sie startet einen Versuch, die Mehrheit an den Bergbahnen zu erlangen – da kann man bereits das Gras wachsen hören“, sagt Wohlfahrtstätter. Denn die knapp 32 %, die Meleda hält, seien ökonomisch nicht sinnvoll: Es gibt kaum Dividende.

Wer hinter Meleda steckt, wisse er nicht. Er ortet aber Parallelen zu Geschehnissen vor knapp 10 Jahren. Damals habe es Bestrebungen seitens einer Gruppierung rund um Ex-Bürgermeister und Ex-Aufsichtsratschef Horst Wendling sowie den Ex-Vorstand und jetzigen Gemeinderat Manfred Filzer (UK) gegeben, das Kapital bei der Seilbahn aufzustocken. Im Boot sei auch der Salzburger Bau-Unternehmer Franz Wieser gewesen, der vom Pinzgau an das Kitzbüheler Skigebiet angedockt hat. „Mit der Verbindung ins Pinzgau hat man versucht, die Bergbahnen zu überschulden, um eine Kapitalaufstockung zu erzwingen und die Anteile an der Bergbahn zu verschieben“, so Wohlfahrtstätter. „Ich war dagegen, weil ich den Verdacht hatte, dass man die öffentliche Hand ausbooten will.“ Ob die damalige Gruppe hinter Meleda steckt? „Ausschließen würde ich das nicht“, sagt der Ex-Aufsichtsrat.

Ähnliches könnte sich jetzt abspielen, meint er. Demnach könnte Meleda durch das Verschweigen ihrer Eigentümer versuchen, die Bergbahn in Finanznöte zu zwingen. Wie es zu einer Mehrheit der Liechtensteiner an den Bergbahnen kommen könnte, wenn die öffentliche Hand (Kitzbühel, Jochberg, Kirchberg) knapp mehr als 50 % hält? Optionen wären etwa eine wegen des Finanzierungsstopps erzwungene Kapitalaufstockung für Investitionen in bestehende Anlagen oder eine mögliche Erweiterung ins benachbarte St. Johann, wo bei den Bergbahnen finanzkräftige Schweden das Sagen haben, glaubt Wohlfahrtstätter: „Das könnte die Mehrheiten verschieben.“