Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.07.2018


Bezirk Reutte

4,5-Mio.-Euro-Kraftwerk am Lech in Höfen in Betrieb

Das neue Kraftwerk der Elektrizitätswerke Reutte liefert ab sofort Strom für 500 Haushalte und bietet Fischen ganz neue Freiheiten.

© TscholManfred Wierer (Aufsichtsratsvorsitzender der EWR AG), LHStv. Josef Geisler, EWR-Vorsitzender Michael Hold, Franz Pegger (Aufsichtsratsvorsitzender der Reutte Holding AG) und EWR-Vorstand Christoph Hilz (v. l.) bei der symbolischen Inbetriebnahme der Turbine des neuen Kraftwerks.Foto: Tschol



Von Simone Tschol

Höfen – Viele sehen in Freitag, dem 13., ein schlechtes Omen. Die Elektrizitätswerke Reutte (EWR) offenbar nicht. Sie haben sich gerade dieses Datum ausgesucht, um gestern – nach fast zehn Jahren – wieder ein Wasserkraftwerk zu eröffnen.

Die beiden EWR-Vorstände Michael Hold und Christoph Hilz gaben den zahlreich erschienenen Ehrengästen einen kurzen Überblick über die neue Wasserkraftanlage am Lech in Höfen und erinnerten sich zurück an den Baubeginn im Jänner 2017. Hilz: „Da hatte es frostige minus 22 Grad. Eine echte Herausforderung für die Arbeiter.“

Fast 3500 Kubikmeter Beton sind seither verbaut worden. Über eine Fallhöhe von vier Metern treffen ab sofort 15 Kubikmeter Wasser pro Sekunde auf eine Turbine, welche Strom für 500 Haushalte erzeugt. Die vier alten Wehrfelder wurden durch zwei neue ersetzt. Hilz: „Dadurch wird auch die Gefahr durch Verklausungen im Hochwasserfall minimiert.“ Um den Spagat zwischen Naturschutz und Technik gänzlich zu schaffen, wurde eine 30 m² große Photovoltaikanlage installiert und eine große Fischtreppe gebaut. „Bachforellen und Äschen können nun, nach mehr als einem Jahrhundert, über 30 Becken das Wehr wieder passieren“, erklärte Hilz. Die Gesamtinvestitionskosten liegen bei 4,5 Millionen Euro.

„Das ist ein denkwürdiger Tag“, freute sich auch Bürgermeister Vinzenz Knapp, denn ohne Strom gehe nichts. „Wir müssen uns aber auch mit dem Thema Strom-Blackout mehr befassen“, meinte er und erklärte in gewohnt direkter Art: „Ich verstehe nicht, dass wir in einem Europa der Regionen das Wasser nicht aufstauen können, damit wir es haben, wenn wir es brauchen. Wir müssen schauen, dass wir stromautark werden. Die Zillertaler haben das schon früher begriffen und hinten im Tal einen Speicher gebaut. Und eines ist sicher: Da ist’s bei uns schon lange finster, brennt im Zillertal noch immer das Licht.“

Sein Reuttener Bürgermeisterkollege und Eigentümervertreter der EWR, Alois Oberer, unterstrich einmal mehr den Stellenwert der E-Werke als Infrastrukturdienstleister. Aber auch den ökologischen Aspekt der neuen Fischtreppe griff er – selbst belustigt – auf: „Fische aus Pflach können sich nun im Lechtal umschauen und sollte es den Bluatschink bei einem Hochwasser mal in Reutte anschwemmen, dann kommt er jetzt mühelos selbst wieder zurück in sein geliebtes Lechtal.“

LHStv. Josef Geisler: „Die Sorgen von Bürgermeister Knapp sind berechtigt. Aber dieses Kraftwerk zeigt, dass ein Nebeneinander von Natur und Technik möglich ist. Und es ist für Tirol ein weiterer Schritt, bis 2050 energieautonom zu sein.“ Dekan Franz Neuner erklärte scherzhaft, dass er mit einem flauen Gefühl zur Segnung an den Lech gekommen sei: „Eine falsche Bewegung und alles ist Weihwasser.“ Neuner hatte damit die Lacher auf seiner Seite, schritt zur Tat und segnete die neue Kraftwerksanlage.