Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.07.2018


Standort Tirol

Egger kratzt heuer an der

Umsatzmarke von 3 Mrd. €

Tiroler Holzkonzern sprengte im Vorjahr Rekorde und verzeichnete starkes Gewinn-Plus. Produktion in den USA soll 2020 starten.

© EggerDer Mitarbeiterstand am Egger-Stammsitz in St. Johann in Tirol wächst mit dem Konzern: „Brauchen Personal in ganz Österreich.“Foto: Egger



Von Max Strozzi

St. Johann – Der Tiroler Holzkonzern Egger mit Sitz in St. Johann und weltweit 18 Werken bleibt auf Wachstumskurs. Im vergangenen Geschäftsjahr (bis Ende April) schraubte der Holzriese seinen Umsatz auf den Rekord von 2,7 Mrd. Euro (+12,5%). Der operative Gewinn (EBIT) stieg um 21 Prozent auf 191 Mio. Euro (2016/2017: 158 Mio. Euro), teilte Egger gestern mit. „Wir sind eingebettet in ein positives Marktumfeld. Es gibt eine positive Konjunktur in allen Märkten“, erklärte Egger-Finanzchef Thomas Leissing. Der Gewinn vor Steuern stieg auf 151 Mio. Euro, jener nach Steuern auf 149 Mio. Euro. Der geringe Unterschied zum Ergebnis vor Steuern sei auf einen latenten Steuerertrag aus Russland zurückzuführen.

Im laufenden Geschäftsjahr könnte das Tiroler Holzunternehmen an der Umsatzmarke von drei Mrd. Euro kratzen. Dies deshalb, weil das im vergangenen Jahr übernommene Werk in Argentinien im Vorjahr nur mit sieben Monaten in die Bilanz eingeflossen ist und erst in diesem Geschäftsjahr komplett einfließen wird. Das Werk in Polen sei planmäßig in Bau, die Spanplatten-Produktion soll Ende 2019 anlaufen. Für das neue Werk in Lexington in den USA erwarte man die Baugenehmigung im Herbst, die Produktion soll 2020 anlaufen, schilderte Finanzchef Leissing. Dort habe Egger aber bereits ein Lehrlingsausbildungszentrum gestartet.

Auf einen Rekord kletterten auch die Investitionen. 2017/2018 investierte Egger 483,8 Mio. Euro – vor allem für die Werke in Argentinien und Polen. Im laufenden Geschäftsjahr sollen gruppenweit mehr als 300 Mio. Euro investiert werden.

Insgesamt beschäftigt Egger weltweit 9200 Mitarbeiter, davon knapp 1200 in Tirol und rund 1600 bundesweit. „Wir investieren viel in Automatisation, trotzdem benötigen wir mehr Mitarbeiter, allerdings in anderen Arbeitsfeldern als bisher.“ So könne es beispielsweise sein, dass es in Folge eines Hochlagers den einen oder anderen Staplerfahrer nicht mehr benötige, dafür aber mehr Personal etwa im IT-Bereich, im technischen Bereich oder auch bei Social Media. Mit der Gruppe wachse aber auch der Mitarbeiterstand am Stammsitz in St. Johann mit. „Wir brauchen in ganz Österreich Personal“, so Leissing.

Herausfordernd sei die Holzbeschaffung, sagte Produktionschef Walter Schiegl. Er führte etwa Exportbeschränkungen in Weißrussland und drohende Exportbeschränkungen in der Ukraine an. Jüngst hatte der WWF unter anderem Egger vorgeworfen, aus der Ukraine Holz aus illegaler Schlägerung zu beziehen und moniert, dass Unternehmen durch Käufe von Zwischenhändlern schlussendlich selbst nicht wüssten, woher ihr Holz stamme. Schiegl betonte gestern, dass es in dem der WWF-Kritik zugrunde liegenden Bericht keine Vorwürfe explizit gegen Egger gebe. Man werde aber allen Vorwürfen nachgehen. „Wir können garantieren, dass wir bei unseren Beschaffungsprozessen unserer Sorgfaltspflicht nachkommen“, so Schiegl.

Alarmruf bei „Sektoralem“

„Lkw ist derzeit ein populistisches Thema, um Politik zu machen", kritisiert Egger-Finanzchef Thomas Leissing. Zum einen würden die Lkw-Blockabfertigungen dazu führen, dass die Schwerfahrzeuge „alle zu spät kommen" und Kundentermine nicht eingehalten werden können. Zudem schlägt Egger beim sektoralen Fahrverbot Alarm. Denn durch die geplante Aufnahme der „sauberen" Euro-6-Lkw in das sektorale Fahrverbot würde die Holzlieferung ins Egger-Werk massiv beeinträchtigt. Denn der Bereich des St. Johanner Egger-Werks sei nicht in der Kernzone, in der Ausnahmen vom Fahrverbot gelten. „Damit werden wir behandelt, als würde unser Werk nicht in Tirol stehen", kritisiert Finanzchef Leissing. Ein Ausweichen auf die Bahn sei nicht möglich, denn die Bahn könne die nötigen Züge und Waggons gar nicht zur Verfügung stellen. „Fallen die Euro-6-Lkw ins Sektorale, brauchen wir eine Lösung." Die Politik habe aber bereits Lösungen zugesagt. (mas)