Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.07.2018


Standort Tirol

Explorer stoppt, Debatte kommt

Hotelbau in Lienz wird nicht weiterverfolgt, LA Kuenz (VP) kritisiert Tourismuspolitik.

© ExplorerAm Hochstein in Lienz hätte ein Explorer-Hotel entstehen sollen.Foto: Explorer



Lienz – Die Hotelgruppe Explorer hat zuletzt für Schlagzeilen gesorgt. Eine zwischenzeitlich gestoppte Förderung von 440.000 Euro für das Hotel in Umhausen sowie Grundstücks-Deals zwischen der Hotelkette und den jeweiligen Verkäufern in Umhausen und St. Johann werfen Fragen auf. Die Opposition im Landtag hat eine Rechnungshofprüfung veranlasst, die Staatsanwaltschaft durchleuchtet die Grundstücksgeschäfte. In Lienz wäre am Hochstein ebenfalls ein 200-Betten-Hotel geplant gewesen, doch jetzt hat Explorer das Vorhaben gestoppt.

„Leider werden unsere Hotelprojekte seitens der Tiroler Landesregierung und der Oppositionsparteien aktuell sehr kritisch hinterfragt. Da wir uns aufgrund dieser Umstände in Tirol derzeit nicht willkommen fühlen, müssen wir die Situation neu bewerten und sehen uns gezwungen, das Projekt in Lienz nicht weiterzuverfolgen“, teilt Geschäftsführerin Katja Leveringhaus mit. Auf die Frage, ob man sich ins beleidigte Winkerl zurückziehe, sagt sie: „Wir sind nicht beleidigt oder sehen uns in einer Opferrolle. Es ist nur so, dass wir uns im Moment nicht sehr willkommen fühlen. Das ist unser Eindruck.“

Als Opfer einer politischen Diskussion und überzogener Aussagen der Tourismusverantwortlichen in Tirol fühlt man sich derzeit in Osttirol. „Das Hotel hätte sehr gut zum Sportberg Hochstein gepasst“, betont ÖVP-LA Hermann Kuenz. Er kritisiert die Oppositionsparteien, aber auch die Tourismusexperten in seiner eigenen Partei. „Man kann nicht sagen, im ganzen Land benötigt es keine Hotelbetten mehr. In Osttirol haben wir zusätzliche Betten für unsere touristische Infrastruktur sehr wohl notwendig.“

Die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SP) ist vom Rückzug überrascht. „Eigentlich fehlten nur noch Details.“ Den Hotel-Standort Lienz mit der Debatte rund um die Rechnungshofprüfung zu verknüpfen, versteht sie nicht. Denn in der Entwicklungsregion Osttirol wäre das Projekt im Gegensatz zum Ötztal förderungswürdig gewesen. (pn)