Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 28.08.2018


Standort Tirol

Kaum Interesse von Kunden an Verteuerung der NoVA

Ab dem 1. September sind Neuzulassungen teurer. Bis jetzt sei – laut WK – die Erhöhung der NoVA jedoch kaum Thema.

© APA/HELMUT FOHRINGERAlle neuen Modelle müssen gemesse­n werden.Foto: APA/Fohringer



Von Verena Langegger

Innsbruck – „Ich bin eigentlich überrascht, dass sich die Kunden nicht mehr für Erhöhung der NoVa ab 1. September interessieren“, sagt Dieter Unterberger, Gremialobmann der Sparte Fahrzeughandel in der Wirtschaftskammer Tirol (WK). Das Interesse sei gering, Anfragen gebe es kaum, obwohl es dadurch immerhin zu einem Aufpreis von zwischen ein und drei Prozent bei Neuwagen kommen kann. „Bei einem Auto, das 30.000 Euro kostet, sind das immerhin 900 Euro“, rechnet Unterberger vor.

Grund für die Verteuerung der Autos ist ein neuer Abgastest für Neuwagen. Als Folge des Abgas-Skandals sollen neue, realistischere Messwert­e dargestellt werden, dieses neue System ergibt offenbar rund ein Fünftel höhere CO2-Werte. Und dadurch erhöht sich die beim Neuwagenkauf fällige Normverbauchsabgabe (NoVA), die nach dem CO2-Ausstoß berechnet wird. Mit der Motorisierung, also je mehr PS, desto teurer die NoV­A, hat das neue Mess­system nichts zu tun.

Die neuen Messungen bringen jedoch nicht für die Händler, sondern für die Hersteller einen „sehr großen administrativen und logistischen Aufwand“, sagt Unterberger. Jedes Modell und jede Sonderausstattung müsse eigens getestet und gemessen werden. Er befürchtet sogar ein Aus für manche Modelle.

Die Umstellung auf den neuen, praxisnäheren Messzyklus bei Pkw-Abgastests dürfte im Herbst nicht nur zu teureren Autos, sondern auch zu längeren Lieferzeiten bei Neuwagen führen, warnt die Autoindustrie. „Alle Modelle müssen neu geprüft werden, inklusive allen einzelnen Modellvarianten, die sich aufgrund diverser Ausstattungs-, Motorisierungsmöglichkeiten etc. unterscheiden“, sagt Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure.

Und diese Zertifizierung erfolge nicht bei den Herstellern selbst, sondern bei zertifizierten Instituten – und hier seien so gut wie alle Prüfstände auf lange Zeit ausgelastet. Was wiederum eine weitere Verunsicherung für den Auto­käufer in sich birgt. „Da nicht alle Modelle rechtzeitig geprüft werden können, ist es dem Händler teilweise nicht einmal möglich, dem Kunden derzeit den endgültigen Kaufpreis mitzuteilen“, erklärt Kerle. Stichtag ist also der 31. August. Alle Autos, die vorher zugelassen wurden, sind nach der bisherigen Methode getestet worden. Die NoVa wird nach dem alten CO2-Wert berechnet. „Wer überlegt, im Herbst ein Auto zu kaufen, sollte sich schnell informieren“, rät Unterberge­r. (ver)