Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 29.08.2018


Bezirk Reutte

Rasantes Wachstum bringt Pflach auf die Überholspur

Neues Bauland bescherte Pflach ein starkes Einwohner-Plus. Auch die Infrastruktur muss wachsen. 1,3 Mio. Euro flossen in die Kinderbetreuung.

© Gemeinde PflachDer Zubau für Kindergarten und Schule ist fertig und wird am 30. September offiziell eröffnet. Foto: Gemeinde Pflach



Von Simone Tschol

Pflach – 15 Prozent Bevölkerungswachstum in nur wenigen Jahren. So lautet die Bilanz der Gemeinde Pflach, die mit aktuell 1564 Einwohnern sogar fünftgrößte Gemeinde im Bezirk und weiter auf der Überholspur ist.

Diese Entwicklung ist jedoch nicht dem Zufall, sondern der Gemeindeführung zuzuschreiben. „Junge Pflacher haben begonnen abzuwandern. Alteingesessene Familien hatten zwar Grund, aber keinen Baugrund. Bereits unter meinem Vorgänger Erich Köck wurde 2003/04 beschlossen, das Bauerwartungsland zu erschließen“, erklärt Bürgermeister Helmut Schönherr, deutet auf den jüngsten Baulandplan und fügt hinzu: „Das neue Wohngebiet Innerwand, zwischen Landesstraße und Umfahrung, ist bestimmt so groß wie das ‚alte Pflach‘.“

Diese Entwicklung bringt aber auch Herausforderungen für die Gemeinde mit sich. Mit der Ansiedelung vieler Jungfamilien stieg nämlich auch der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen. Die 1,3 Mio. Euro teure Erweiterung war unumgänglich. Mit Beginn des neuen Schul- und Kindergartenjahres können im Kindergarten 60 Kinder in drei Gruppen betreut werden, die Volksschule wurde ebenfalls um zwei Klassenräume erweitert. Der Kindergarten wurde auf Ganztagesbetreuung von 7 Uhr bis 16.30 Uhr umgestellt, mit Mittagstisch für Kindergarten- und Volksschulkinder.

Die damit verbundenen hohen Kosten bereiten BM Schönherr kein Kopfzerbrechen: „Die scheinen sich schon rentiert zu haben. Neben vielen Jungfamilien mit Kindern kommen auch wieder Pflacher, die auswärts gelebt haben, in ihre Heimatgemeinde zurück. Die immer wieder bemängelte Abwanderung von Studierenden findet für unseren Ort nur bedingt statt, da relativ gut ausgebildete Fachkräfte und Akademikerfamilien zuwandern.“

Und das Wachstum der Gemeinde ist noch nicht abgeschlossen. In Wiesbichl wird noch heuer mit dem Bau einer Anlage mit 21 Mietwohnungen begonnen. Ein weiteres Wohnprojekt wird vor der Lechbrücke Unterletzen entstehen. Über Größe und Umfang laufen noch Gespräche mit allen Beteiligten. Nach wie vor gibt es auch Bemühungen, einen Lebensmittelhändler nach Pflach zu bringen. „Das ist nicht aussichtslos, aber schwierig“, sagt Schönherr dazu.

Seit zirka drei Jahren beschäftigt auch die Neugestaltung des Dorfplatzes den Gemeinderat. In direkter Nachbarschaft zum Schulgebäude wird noch heuer mit den Arbeiten für eine 400 m² große und überdachte Begegnungsstätte begonnen. Direkt daneben werden 70 neue Parkplätze geschaffen, die auch Besuchern des Kulturhauses zur Verfügung stehen. Weitere Vorhaben: die Erneuerung der Wasserversorgung, die Sicherung der Bahnübergänge und die Instandhaltung des relativ alten Gemeindestraßennetzes.

Ein wachsendes Problem sieht Bürgermeister im zunehmenden Verkehrsaufkommen durch den Ort. „Dies wird verstärkt durch das unselige Dosiersystem an der Abfahrt Reutte-Süd, das über den Fernpass ein paar Minuten Zeitersparnis auf dem Weg nach Innsbruck, der Gemeinde Pflach aber wieder – trotz Umfahrung – Verhältnisse wie in den 70er-Jahren beschert“, fordert Schönherr ein Umdenken.




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