Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.09.2018


Standort Tirol

Innsbruck setzt auf Öffis, Auto-Verbot in Frankfurt

Gegen schlechte Luft in Städten setzt Deutschland auf Verbote für ältere Dieselfahrzeuge und Benziner, die Innsbrucker Politik baut Radwege und Öffis aus.

© Rudy De Moor / TTNach Klagen wegen schlechter Luftqualität gibt es auch in Frankfurt Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge und Benziner, Innsbruck setzt auf den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und Radfahren.Foto: Rudy De Moor



Innsbruck, Wiesbaden – Den Fahrern älterer Autos droht im kommenden Jahr – neben Hamburg und Stuttgart – auch in Frankfurt am Main ein großflächiges Fahrverbot. Das hat das Verwaltungsgericht Wiesbaden entschieden. Zunächst sind von Februar 2019 an Dieselfahrzeuge mit Euro-4-Motoren sowie Benziner der Schadstoffklassen 1 und 2 betroffen. Vom 1. September an sollen auch Euro-5-Diesel tabu sein.

Auch Tirol kämpft immer wieder mit Grenzwertüberschreitungen bei Stickstoffdioxid. 2016 wurden die Grenzwerte in Tirol laut Zahlen des Umweltbundesamtes 24-mal überschritten. „Fahrverbote wie jene in Frankfurt und straßenzugweise Fahrverbote für bestimmte Autos wie in München oder Stuttgart wollen wir in Innsbruck nicht“, sagt die grüne Stadträtin Uschi Schwarzl. Es werde weiter am Ausbau des öffentlichen Verkehrs gearbeitet. Zudem soll Radfahren in Innsbruck noch attraktiver werden. Tirolweit „unpopulär, aber wirksam“ sei der Luft-100er.

Schwarzl betont, dass auch aktuelle verkehrspolitische Debatten wie die Frage von Tempo 30 oder jene von mehr Straßenraum für Rad und Öffis und weniger für fahrende und parkende Pkw letztlich der Luftqualität zugutekämen. Doch die Stadträtin warnt: „Wer diese sanften Maßnahmen torpediert – etwa durch eine dritte Autobahnspur von Westen in Richtung Innsbruck, wird ähnliche Luftwerte wie in deutschen Großstädten und damit verbundene Umweltklagen heraufbeschwören und letztlich Fahrverbote erzwingen.“ Deutschland betrachtet Fahrverbote als effektivste Methode, um die Luftqualität in Städten zu verbessern und die EU-weiten Grenzwerte einzuhalten. Die Umweltdezernentin der Rhein-Main-Metropole, Rosemarie Heilig, forderte eine „konsequente Durchsetzung des Rechts auf saubere Luft auf allen politischen Ebenen“. Auch die Autoindustrie wird in die Pflicht genommen. Von der Bundesregierung forderte sie: „Zwingen Sie die Hersteller endlich zu Hardware-Nachrüstungen, damit die Fahrzeuge real nicht mehr Schadstoffe ausstoßen als bei der Zulassung angegeben.“

Die Umwelthilfe hat nicht nur wegen der Grenzwertüberschreitungen in Frankfurt, sondern auch in Darmstadt, Wiesbaden und Offenbach geklagt. Die Umwelthilfe hofft, dass die Bedeutung des Gerichtsurteils bei Politikern ankommt und auch der Druck auf die Autoindustrie zu Nachrüstung und ehrlicher Schadstoffmessung wächst. (ver)