Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.10.2018


Bezirk Imst

Alles, nur kein Müll in der Biogasanlage Roppen

Vernetzungstreffen der Imster Energiearbeiter widmete sich ganz den Inhalten der heimischen Biomüllkübel und deren Nutzung.

Werksleiter Hartwig Rangger (2.v.l.) beschreibt, wie der Abfall am Prozessbeginn sortiert wird.

© DornWerksleiter Hartwig Rangger (2.v.l.) beschreibt, wie der Abfall am Prozessbeginn sortiert wird.



Von Agnes Dorn

Roppen – Aus allen Gemeinden der beiden Bezirke Imst und Landeck, außer Sölden und Ischgl, gelangen die gesammelten Bioabfälle in die Biogasanlage des „ABV West“ bzw. Abfallbeseitigungsverbands Westtirol in Roppen.

Hier wird mit dem gewonnenen Biogas Strom für umgerechnet rund 1000 Haushalte erzeugt. Im Zuge des Vernetzungstreffens der Klima- und Energiemodellregion Imst trafen sich rund 30 Interessierte der Gemeinden, um die Anlage näher unter die Lupe zu nehmen und sich die einzelnen Abläufe von deren Mitarbeitern erklären zu lassen.

Die alte Fermentierungsanlage wurde 2016 optimiert.
Die alte Fermentierungsanlage wurde 2016 optimiert.
- Dorn

Aus 16.000 Tonnen an fermentierbaren Materialien (9000 Tonnen Bioabfälle und 7000 Tonnen Baum- und Strauchschnitt) werden im Gewerbepark Tschirgant jährlich drei bis vier Gigawattstunden Strom herausgeholt. Diese werden dann ins Stromnetz der Tiwag eingespeist.

Lediglich ein Sechstel der Energie wird gleich vor Ort für den Betrieb der Anlage verwendet. Diese wurde vor zwei Jahren dank einer 9,5 Millionen Euro schweren Investition wesentlich vergrößert und eingehaust. „Die Menge an Bioabfällen hat sich in den letzten Jahren massiv vergrößert und vor der Einhausung hat es auch ziemlich gestunken“, sieht der Roppener Bürgermeister Ingo Mayr mit dem Ausbau zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Gleich drei Produkte sind es, die durch die Fermentierung, Pressung und Verrottung des Bioabfalls entstehen. Neben der Energie ist es sowohl der Trockenkompost als auch die Flüssigkeit, die bei Bauern gefragt sind. Auch private Gartenbesitzer können in Roppen ihre Komposterde kostenlos beziehen.

Der geruchslose Trockenkompost kann von Privatpersonen kostenlos abgeholt werden, wie Eva-Maria Weinseisen erklärt.
Der geruchslose Trockenkompost kann von Privatpersonen kostenlos abgeholt werden, wie Eva-Maria Weinseisen erklärt.
- Dorn

24 Stunden lang läuft die Anlage an sieben Tagen in der Woche. Und dies erstaunlich geräuscharm, wie die Energiearbeiter bei ihrem Rundgang feststellen konnten. Probleme bereiten den Bioabfallaufbereitern aber die immer größer werdenden Mengen an Maisstärkesäcken. Dies unterstreicht Ökologin Eva-Maria Weinseisen vom ABV West im Anschluss an die Führung beim Treffen im Roppener Kultursaal: „Maisstärkesackerln können von der Anlage nicht von Plastik unterschieden werden.“

Sie stören zudem den Verrottungsprozess und beeinträchtigen die Qualität des erzeugten Kompostes. Besser als Maisstärkesäcke wäre es allemal, Papiersäcke zu verwenden oder gänzlich auf die Bioabfallverpackung zu verzichten.

Die von Weinseisen ins Leben gerufene „Aktion scharf“, bei der sowohl die gewerblichen als auch die kommunalen Abfallsammler mitmachen, hat nun zum Ziel, Bioabfall nur dann nach Roppen zu bringen, wenn er nicht verunreinigt ist. Ansonsten bleibt die Tonne so lange stehen, bis ihr Inhalt „sauber“ gemacht worden ist.




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