Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.11.2018


Exklusiv

Neuer Wohnraum soll Billig-Hotelkette in Innsbruck weichen

In einem Bundesgebäude in Innsbruck, in dem ausschließlich Wohnungen gebaut werden sollten, soll ein Hotel mit 261 Betten kommen. Stadt ist dafür.

© TT/BöhmIn diesem Gebäude in Innsbruck will die Meininger-Kette mit einem 261-Betten-Hotel einziehen. Eigentlich waren Wohnungen geplant.



Von Max Strozzi

Innsbruck – Die deutsche Hotelkette Meininger, deren Muttergesellschaft in London sitzt, will 2020 auch in Innsbruck eines ihrer Low-Budget-Hotels eröffnen. Das gab die Meininger-Gruppe vergangenen Juni bekannt. Geplant ist in dem Gebäude in der Blasius-Hueber-Straße 4 – unmittelbar neben der Haupt-Uni – ein Hotel mit 76 Zimmern und 261 Betten, verteilt auf 6 Etagen. Verwirklicht werden soll das Projekt gemeinsam mit der BHS Immobilienverwaltung mit Sitz in Längenfeld, die das Haus entsprechend umbaut und an Meininger verpachtet, wie BHS-Geschäftsführer Bernhard Wippaunig gegenüber der TT erklärt. Investiert würden 5 Millionen Euro.

Eigentlich hätte in dem Gebäude neuer Wohnraum entstehen sollen. Das Haus gehört den Österreichischen Bundesforsten, also dem Bund, also der öffentlichen Hand. Zuständig ist das Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, zuvor Landwirtschaftsministerium. 2015 hatten die Bundesforste mit der BHS Immobilienverwaltung bzw. deren damaliger Mutter APT Alpenbau Tirol (ebenfalls in Längenfeld daheim) einen Baurechtsvertrag abgeschlossen. Darin hatten die Bundesforste die BHS dazu verpflichtet, ausschließlich Wohnungen zu errichten, was gerade in Innsbruck auch Sinn machen würde, wo es an Wohnraum mangelt. Ein Hotel wurde ausdrücklich verboten. Wörtlich steht im Vertrag: „Vertragszweck ist die Schaffung von Wohnungen. [...] Die Errichtung eines Beherbergungsbetriebes ist nicht gestattet.“

Nun, drei Jahre später, ist offenbar alles anders. Statt Wohnraum werden im Bundesgebäude Hotelbetten geschaffen, wie die Bundesforste gegenüber der TT bestätigen: „Die Bundesforste haben der nötigen Änderung des Baurechtsvertrags mit der BHS Immobilienverwaltung zugestimmt.“ Der neue Vertrag ermögliche „die Errichtung von Wohnungen und eines Beherbergungsbetriebes“. Das ursprünglich geplante Wohnbauprojekt habe laut den Bundesforsten „nicht realisiert werden können, da es auf Widerstand (Ortsbildschutz) gestoßen ist“. Das Gebäude sei zwischenzeitlich als „charakteristisches Gebäude“ im Sinne des Tiroler Stadt- und Ortsbildschutzgesetzes (SOG) unter Schutz gestellt worden, „was die wirtschaftliche Umsetzung eines Wohnbauprojekts erheblich erschwert hat“, schreiben die Bundesforste.

Ein Haus wird allerdings auch nur dann als charakteristisches Gebäude ausgewiesen, wenn eine Instandhaltung oder Instandsetzung wirtschaftlich sehr wohl vertretbar ist. Aus der Sicht von Bundesforste und BHS lohnen sich Wohnungen in dem Gebäude nicht, ein Billig-Hotel mit 261 Betten dagegen schon.

Das Gebäude wurde Ende der 1930er-Jahre errichtet. Auf die Idee, das Haus zum charakteristischen Gebäude erklären zu lassen, kam die Stadt Innsbruck Mitte 2016 und gab ein Gutachten in Auftrag, das Mitte 2017 fertig wurde. Daraus geht unter anderem hervor, dass der Großteil der 13 Wohnungen zu diesem Zeitpunkt vermietet und das Gebäude in einem guten Zustand war.

Laut BHS-Geschäftsführer Wippaunig ist das Hotelprojekt bereits seit eineinhalb Jahren mit der Stadt akkordiert, die Einreichplanung kommt von der früheren BHS-Eigentümerin, der ATP Alpenbau Tirol. Es würden Ein- bis Sechsbettzimmer errichtet, der Hausbestand bleibe erhalten: „Es kommt kein Turm.“

Innsbrucks BM Georg Willi verweist auf TT-Anfrage hin auf Stadtplaner Hans Peter Sailer. Sailer erklärt, dass der Gestaltungsbeirat das Hotelprojekt goutiert habe und das Gebäude hofseitig etwas erweitert werden soll. Auch habe die Hotelbedarfsstudie von 2016 einen Bedarf in der Hotelkategorie von „zwei bis zweieinhalb Sternen“ ergeben, der Standort in Uni- und Klinik-Nähe sei geeignet. „Grundsätzlich gibt es für das Hotel grünes Licht“, meint Sailer.

Um das Hotel zu ermöglichen, muss die Stadt allerdings das Areal erst umwidmen. Doch auch dies scheint bereits paktiert zu sein. Das Haus steht derzeit nämlich im Kerngebiet, was kein 261-Betten-Hotel erlauben würde. Die Stadt müsste daher das Gebiet erst in Sonderfläche Großbeherbergungsbetrieb umwidmen. Sailer: „Widmungsplan und Bebauungsplan sind in Vorbereitung.“