Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.11.2018


Exklusiv

Stadt-Deal ebnete Weg zu Großhotel in Wohnhaus

Ein Hotel in einem Innsbrucker Wohnhaus sorgt für Aufregung. Widersprüchliche Angaben zur bisheriger Vermietung.

© Thomas Boehm / TTSeit Jahren leer stehend oder bewohnt? In der Innsbrucker Blasius-Hueber-Straße 4, wo ein Hotel entstehen soll, sind noch Türschilder.Foto: Böhm



Von Max Strozzi, Marco Witting

Innsbruck – Die Debatte um das geplante Low-Budget-Hotel in einem Innsbrucker Wohnhaus hat gestern Fahrt aufgenommen. Wie berichtet, errichtet der Immobilienverwalter BHS für die deutsche Meininger-Gruppe bis 2020 nahe der Uni Innsbruck ein 261-Betten-Großhotel. Und zwar in einem Gebäude der Bundesforste, also der öffentlichen Hand, in dem eigentlich verpflichtend Wohnungen entstehen hätten sollen. Inzwischen haben die Bundesforste aber den Baurechtsvertrag mit BHS geändert, um das Billighotel zu ermöglichen. Auch die Stadt Innsbruck ist dafür, mit ihr wurde das Hotelprojekt im Wohnhaus bereits paktiert. Die nötige Umwidmung zugunsten des Hotels ist auch schon in Vorbereitung.

Inzwischen gab die Stadt Details zur Causa bekannt. 2015 hatte sich demnach auch die Stadt Innsbruck um das Baurecht in dem Haus bemüht – um geförderte Wohnungen oder Studentenwohnungen zu bauen – für einen Bauzins von maximal 20.000 Euro pro Jahr. Die Bundesforste verkauften das Baurecht aber an BHS für 77.000 Euro jährlich. BHS wollte das Haus aus dem Jahr 1939 abreißen und frei finanzierte Wohnungen errichten. Das lehnte die Stadt ab und beauftragte ein Gutachten, um das Gebäude unter Schutz zu stellen: Das Haus wurde zum „charakteristischen Gebäude“ erklärt, ein Abbruch verboten.

Der Eigentümer des Gebäudes sei gegen die Unterschutzstellung aber vor Gericht gezogen, gleichzeitig sei der Stadt das Hotelprojekt vorgelegt worden. Wie aus dem Protokoll des Stadtentwicklungs-Ausschusses vom Juni 2018 hervorgeht, einigte man sich schließlich auf folgenden Deal: Stimmt die Stadt dem Hotel zu, wird die Beschwerde vor Gericht zurückgezogen.

In diesem Zusammenhang sind auch die widersprüchlichen Angaben über die bisherige Nutzung nicht uninteressant. Denn der Stadtentwicklungs-Ausschuss betonte zuletzt, dass das Haus „seit einigen Jahren (...) weitestgehed leer stand“ und begrüßte das Hotelprojekt. Das Gutachten zur Unterschutzstellung des Gebäudes aus dem Jahr 2017 besagt das Gegenteil. Darin schildert die Baupolizei, dass von insgesamt 13 Wohnungen in dem Haus, „der Großteil der Wohnungen vermietet ist“. Der seinerzeitige Planungsstadtrat Gerhard Fritz spricht ebenfalls von jahrelangem Leerstand und erklärt gegenüber der TT, das Gutachten nicht zu kennen. Dabei kam es 2017, also zu seiner Zeit, auf Ersuchen der Stadtplanung zustande.

Innsbrucks nunmehriger BM Georg Willi (Grüne) legte gestern dar, wie sich der Fall aus Sicht der Stadt entwickelt habe. „Mich ärgert, dass die Bundesforste das maximale Ergebnis herausgeholt und nicht auf andere Gebietskörperschaften Rücksicht genommen haben.“ Hier brauche es „Konsens“, dass man sich untereinander in solchen Situationen helfe. Gerade im öffentlichen Interesse sei es wichtig, dass man hier besser zusammenarbeite, „und aus diesem Fall lernt“. Jetzt seien ihm „rechtlich die Hände gebunden“, sagt Willi.

Die für den Hotelbau nötige Umwidmung des Areals als „Beherbergungsgroßbetrieb“ steht allerdings noch aus. „Wir verlangen, dass die Stadtregierung die Umwidmung versagt, damit das Haus weiterhin als Wohnhaus genützt werden muss“, fordert Liste-Fritz-LA Markus Sint. Das Hotelprojekt sei „ein Schlag ins Gesicht für alle, die in Innsbruck eine Wohnung suchen oder von den gewaltigen Mietpreisen stark belastet sind“. Kritik am Hotel übt auch FP-Wohnbausprecherin Evelyn Achorner.