Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.11.2018


Bezirk Reutte

Jöchelspitzbahn: Sessellift muss abgetragen werden

Die Tage der Jöchelspitzbahn in Bach sind gezählt. Die Konzession läuft aus und kann nicht verlängert werden. Im Hintergrund finden bereits Planungen für die Errichtung einer 8er-Kabinen-Umlaufbahn statt.

© Andreas TscholDer Sessellift wird die Skifahrer heuer letztmals hinauf in Richtung Jöchelspitze bringen.Foto: Andreas Tschol



Von Simone Tschol

Bach, Warth – Seit knapp 40 Jahren drehen die Sessel der Jöchelspitzbahn Runde um Runde. Diesen Winter allerdings zum letzten Mal. Denn die Konzession läuft im April aus und kann nicht mehr verlängert werden. Dann muss die Lechtaler Bergbahnen Gesellschaft, Teil der Skilifte Warth, welche die in Konkurs geratene Bahn 2007 übernahmen, den Lift abbauen.

Pläne für die Jöchelspitzbahn gab es bereits viele. Einer wird nun aber konkret verfolgt: der Bau einer 8er-Kabinen-Einseilumlaufbahn. „Derzeit ist es noch eine Idee, nix ist fix, denn es ist noch nicht alles eingetütet. Aber natürlich wäre es unser Wunsch, eine neue Bahn zu bauen – vorausgesetzt, es gibt ein klares Bekenntnis der Region zu dem Projekt“, gibt sich Günter Oberhauser, Geschäftsführer der Skilifte Warth, im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung noch etwas zugeknöpft.

Immerhin müsste die Investitionssumme von 6,5 Millionen Euro von Land Tirol, Gemeinden, Tourismusverband und den Skiliften Warth gemeinsam getragen werden.

Während der Vorstand sowie der Aufsichtsrat des Tourismusverbandes Lechtal die Finanzierung bereits abgesegnet haben, sind jetzt die 14 Gemeinden von Forchach bis Kaisers am Zug. Der vom Planungsverband „Oberes Lechtal“ ausgearbeitete Finanzierungsplan in Höhe von insgesamt 1,1 Millionen Euro richtet sich nach Einwohnerzahl bzw. Gästenächtigungen. Aber auch hier deutet bislang alles auf eine positive Stimmung hin. Zahlreiche Dorfparlamente haben der Darlehensaufnahme für die Errichtung der Bergbahn Jöchelspitze bereits ihre Zustimmung erteilt, einstimmig.

„Die Jöchelspitzbahn ist zwar nicht übermäßig gewinnbringend, aber trotzdem essenziell wichtig für den Tourismus im Tal. Natürlich gibt es Orte, die den Lift fürs Skifahren nicht bräuchten. Aber man muss die Jöchelspitzbahn inzwischen auch ganzjährig sehen“, sagt TVB-Chef Marc Baldauf und fügt hinzu: „Der Winter ist generell ein schwieriges Pflaster. Geübte Skifahrer zieht es zwar eher ins Großskigebiet Arlberg. Aber die Jöchelspitze ist für Anfänger, Skischulen und Familien optimal. Vor allem bei Schlechtwetter, denn wenn es mal neblig ist oder stark schneit, ist am Arlberg alles komplett weiß. Hier hat man durch das Gelände und den Wald eine gute Orientierung.“

Auch der TVB könne seinen Anteil der Investitionssumme nicht aus dem Ärmel schütteln, müsse diesen fremdfinanzieren. „Aber man muss so ein Bahnprojekt langfristig sehen. Und wenn man es auf 30 Jahre aufrechnet, ist das ein Klacks. Immerhin ist es eine Investition in den Winter- und den Sommertourismus.“ Auch für die schneefreie Zeit müssten zusätzliche Attraktionen geschaffen werden. Baldauf denkt dabei an einen Flying Fox, einen Kindererlebnisweg oder eine Downhillstrecke für Mountainbiker. „Mit der Hängebrücke in Holzgau, der Bahn zur Jöchelspitze und den Wanderwegen hinüber bis zur Gibler Alm mit großem Kinderspielplatz könnte eine Art ,Freizeiterlebnisberg‘ entstehen“, fasst Baldauf seine Zukunftsvision in Worte.

Eine Umlaufbahn habe zwar den Nachteil, dass man jedes Mal die Ski abschnallen müsse. Dafür gebe es viele Vorteile. Baldauf: „Man braucht weniger Stützen, die Bahn fährt schneller, man ist witterungsunabhängiger und auch kleine Kinder können wesentlich leichter transportiert werden. Das ist auch für Skischulen wichtig. Aber auch Rollstuhlfahrer oder Leute, die nicht so schnell einsteigen können, könnten so die Aussicht genießen.“

Auf ein Datum für den Baustart will Skilifte-Warth-Geschäftsführer Oberhauser sich nicht festlegen: „Jetzt müssen wir erst mal in der Bahn-Gesellschaft einen Beschluss fassen. Zudem könnten uns die vollen Auftragsbücher bei den Seilbahnherstellern noch Sorgen bereiten.“