Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.11.2018


Bezirk Reutte

,,Noch nie so wenig Andrang“: Seilbahnen werben um Saison-Mitarbeiter

Die Skigebiete des Bezirks bereiten sich auf den Winter vor. Was sich allerdings abzeichnet: Es gibt einen Mangel an Saison-Mitarbeitern.

© PaschingerDie Vorbereitungen auf die Wintersaison laufen. Am Donnerstag wurden in Lermoos bereits die Schneekanonen kurz getestet – für die richtige Beschneiung ist es freilich noch zu früh und zu warm.Foto: Paschinger



Von Alexander Paschinger

Zwischentoren, Tannheimer Tal – Der Facharbeitermangel ist ein bekanntes und unbestrittenes Phänomen, der demografische Wandel trägt das Seinige dazu bei. Und in einem Bezirk wie Reutte, wo ohnehin zumeist Vollbeschäftigung herrscht, wirkt sich die Situation sogar schon auf die saisonalen Liftbeschäftigten aus: „Wir haben ein Problem beim Personal – wir hatten noch nie so wenig Andrang“, meint etwa Ludwig Keller, Geschäftsführer der Langes-Bergbahnen in Lermoos und Biberwier. Von seinen 100 Winter-Mitarbeitern gehören 40 zum Stammpersonal, 60 zusätzliche Arbeitskräfte müssen jede Saison gewonnen werden. Tatsächlich ist Keller mit seinen Personalsorgen nicht allein, wenn man sich bei den Seilbahnern des Bezirks umhört. Umso mehr setzt man auf Zuckerln wie Personalwohnungen oder auch Zusatzausbildungen.

Früher waren es hauptsächlich Bauarbeiter und Bauern, die sich über den arbeitsfreien Winter ihr Brot als Saisonarbeiter in den Skigebieten verdienten. „Früher waren das die so genannten Liftler“, sagt Wolfgang Moosbrugger von den Tannheimer Bergbahnen. Doch Mitarbeiter aus dem Bauwesen stellen heute nicht mehr den Hauptanteil. „Ist klar“, sagt Franz Dengg, Chef der Tiroler Zugspitzbahn und Ehrwalder Almbahn: Die Bauarbeiter seien viel länger angestellt, bauen über den Winter viel Zeit ab. „Es ist heute nicht mehr so, dass die Leute dann einfach zum Lift kommen – das beobachten wir schon die letzten fünf, sechs Jahre.“ Und auch die früheren Nebenerwerbsbauern hätten kaum mehr Tiere im Stall. Dengg ist froh, seine Mannschaft „zum Großteil zusammenzuhaben“. Dafür müsse man sich oft auch weiter weg nach Mitarbeitern umsehen. Die Folge: „Einige der 40 Studios, die wir im neuen Personalhaus errichten, gibt es auch für die Liftmitarbeiter oder auch die Busfahrer“, erklärt Dengg.

Der Liftler ist auch nicht mehr nur der, der den Bügel reicht – „es gibt auch den Sicherheitsaspekt“ im Berufsbild, so Moosbrugger. Und daher geht es auch um eine Aufwertung: „Wir bieten unseren saisonalen Mitarbeitern den Kurs zum Seilbahnmaschinisten an.“ Damit schaffen sich die Mitarbeiter eine Zusatzqualifikation – die Kosten von 1000 Euro trage das Unternehmen. Und was Moosbrugger hervorhebt: „Inzwischen haben wir schon eine Seilbahnmaschinistin.“