Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 26.11.2018


Innsbruck

Laden für Freunde des schwarzen Goldes

Der „Musikladen“ am Innsbrucker Sparkassenplatz lebt vor allem von Stammkunden und Vinylfans jeden Alters.

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© Stegmayr



Von Markus Stegmayr

Innsbruck – Seit 2014 ist Raine­r Pöschl Inhaber des seit 1978 in Innsbruck bestehenden „Musikladens“. Umsätze am Sparkassenplatz macht er vor allem mit Stammkunden und LP-Liebhabern.

Angefangen hat alles 1978, damals noch in der Maximilianstraße. Die erste verkaufte LP war, so wurde es Pöschl, der damals noch ein Kind war, zumindest erzählt, „Grease“. Das Medium Platte hat sich seither – nach einem zwischenzeitlichen Absturz – erstaunlich gut entwickelt, vor allem seit dem Aufschwung im Jahr 2011, als die großen Plattenfirmen damit begonnen haben, wieder Vinyl zu pressen.

Gegen den Begriff „Trend“, im Sinne eines kurzen Hypes, wehrt sich Pöschl dabei vehement. „Die Plattenverkäufe gehen stetig nach oben, bei uns machen sie schon knapp über 50 Prozent aus“, berichtet er. Vor allem seine Stammkunden bezeichnet Pöschl dabei als „zu einem großen Teil Fachleute“. „Einige haben mehr Platten zuhause als wir hier im Laden“, sagt er grinsend. Keine Selbstverständlichkeit, denn am Sparkassenplatz sind rund 2500 Vinyl-Schallplatten zu finden.

Diese Stammkunden spricht er auch an diesem sonnigen Herbstnachmittag beim Betreten des Ladens generell mit Vornamen an. Schnell entwickeln sich Gespräche über Vinylpressungen und Neuveröffentlichungen. Expertengespräche eben. Die Plattenkäufer schätzen laut Pöschl vor allem die Haptik – und werden immer jünger. „Es gibt junge Kunden bei uns, die sich von Spotify bewusst abgemeldet haben“, führt Pöschl aus. „Sie haben sich stattdessen einen Plattenspieler gekauft und hören jetzt Vinyl.“

Solche und natürlich auch ältere Käufer schätzen laut Pöschl die Beratung – und dass man im Musikladen nicht nur die „abstrakte MP3“, sondern das „ganze Paket“ bekomme. Dazu gehören auch CDs und Platten von lokalen Musikern ohne Vertrieb und Plattenlabel oder Konzerte im und vor dem Laden. Außerdem bedient man hier auch spezielle Interessen. „Ich habe beispielsweise zwei Kunden, die nur Orgelmusik hören“, sagt er.

Existenzängste hat Pöschl, der mit seiner Mutter Christine und geringfügig Angestellten abwechselnd im Laden steht, nicht mehr. „Es hat sich einigermaßen eingependelt“, meint er. Offenbar läuft das Geschäft mit der Platte und dem spezialisierten Musik-Sortiment gut genug, dass es mit „Nabu Records“ und „Downtown Sound“ zwei weitere Läden in Innsbruck verträgt. „Die Frage ist aber schon, wohin es mit dem Einzelhandel angesichts der vielen Ketten geht“, gibt sich Pöschl kurz nachdenklich. Doch dann steht schon der nächste Kunde in der Tür, den er mit einem nonchalanten „Hi“ willkommen heißt.