Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 26.11.2018


Exklusiv

Deutsche Hotelkette Arcona startet in Tirol

Das Hotel Erika in Kitzbühel wurde an einen Großindustriellen und Immo-Investor verkauft. Betreiben wird es die Arcona-Kette, Ausbau ist geplant.

© Arcona



Von Max Strozzi

Kitzbühel – Das Hotel Erika in Kitzbühel gehört zu den traditionsreichsten und geschichtsträchtigsten der Stadt. Seine Ursprünge reichen bis ins Jahr 1897 zurück, seit rund 100 Jahren wird es inzwischen von der Familie Schorer betrieben. Die Familie ziehe sich nun altersbedingt zurück, künftig wird die deutsche Hotelkette Arcona das Haus führen. Eröffnet werde die Saison am 15. Dezember, wie Arcona gegenüber der TT bestätigt. Für Arcona ist es das erste Hotel in Österreich, bisher betreibt die vor 10 Jahren gegründete Hotelkette 23 Häuser im deutschsprachigen Raum.

Gekauft hat das Hotel allerdings nicht Arcona. Erstanden wurde die Immobilie mit 48 Zimmern, rund 100 Betten und einem Gelände von knapp 8500 Quadratmetern vielmehr von zwei in Wien angesiedelten Investorengesellschaften, die jeweils zwei deutschen Investoren gehören. Genau genommen haben die beiden Investorengesellschaften (­HTDC eins Kitz und HTDC zwei Kitz) die Hotel Erika Schorer GmbH gekauft, die im Grundbuch als Hoteleigentümer aufscheint. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Fest steht lediglich, dass Banken-Pfandrechte über knapp 19 Millionen Euro eingetragen wurden.

Einer der Hotel-Investoren ist Christian Beilicke, Chef des deutschen Immobilienkonzerns Hanseatic Group.

Beim zweiten Investor handelt es sich um den deutschen Fleischunternehmer Clemens Tönnies. Er ist Aufsichtsratschef des deutschen Fußball-Bundesligisten Schalke 04, wo der Tiroler Alessandro Schöpf spielt. Vor allem aber ist Clemens Tönnies Miteigentümer des deutschen Lebensmittelkonzerns Tönnies Holding (dazu zählt etwa Deutschlands größter Schweine-Schlachtbetrieb) mit einem Jahresumsatz von über 6 Mrd. Euro sowie Alleineigentümer der Zur-Mühlen-Gruppe, die Fleisch und Würste produziert. Das deutsche Kartellamt hatte Töchter der Zur-Mühlen-Gruppe wegen Preisabsprachen im Zuge des „Wurstkartells“ zu 128 Millionen Euro Strafe verdonnert. Die Zur-Mühlen-Gruppe entging aber der Strafe, weil die betroffenen Tochterfirmen auf andere Gesellschaften der Gruppe übertragen und sie anschließend liquidiert wurden. Da die Tochterfirmen rechtlich nicht mehr existierten, gab es für die Strafbescheide keinen Adressaten mehr und die Verfahren wurden eingestellt.

Fleischunternehmer Tönnies und Immobilieninvestor Belicke sind über eine Beteiligungsfirma gemeinsam mit Arcona auch Miteigentümer der Betreibergesellschaft (HDTC drei Kitz), die das Hotel Erika künftig betreiben wird, wie Arcona bestätigt.

Nach der heurigen Wintersaison stehe ein „großer Umbau“ bevor. Bis 2020 soll das Haus „umfangreich renoviert und erweitert“ werden. In welcher Form stehe aber noch nicht fest. Die Art des Umbaus hängt laut Arcona auch davon ab, ob das Hotel in Kitzbühel Teil der „Barefoot Hotels“ des deutschen Filmstars Til Schweiger werden soll. Erst am vergangenen Donnerstag wurde die Kooperation zwischen Barefoot Hotels und Arcona fixiert. Als so genanntes Investorenmodell soll es nicht betrieben werden, versichert Arcona.

Die TT hat versucht, die bisherige Betreiberfamilie zu erreichen. Gestern ließ sich Benedikt Schorer in einem knappen Telefonat entschuldigen, er sei auswärtig beschäftigt.