Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 28.11.2018


Bezirk Reutte

Kurze Wege als wichtiger Erfolgsfaktor

© Nikolussi



Die Schiene „Erzeuger-Konsument" weiter auszubauen, ist ein wichtiges Anliegen des Bauernbundes. „Wir haben in dieser Richtung schöne Erfolge aufzuweisen", meinte Bezirksbauernobmann Christian Angerer kürzlich im Rahmen eines Pressegesprächs. Als Beispiel führte er die Entwicklung des Bauernladens an seinem neuen Standort im Untermarkt an, wo es gelungen sei, in letzter Zeit eine Steigerung bei den anliefernden Landwirten um rund ein Viertel zu erreichen. Er ortete ein steigendes Interesse der Bevölkerung an regionalen Produkten. Die kurzen Wege vom Erzeuger zum Verbraucher seien wichtig für die Zukunft der kleinstrukturierten Landwirtschaft im Bezirk. Als einen weiteren Fortschritt in diese Richtung bezeichnete er die Schlachtstelle in Ehenbichl. Dort sollen in Zukunft rund 150 Kalbinnen pro Jahr den direkten Weg in die Verkaufsstelle eines heimischen Großanbieters finden.

Hier kommt auch das Land ins Spiel. Es unterstützt diese Bestrebungen, sodass dem Produzenten mehr bleibt als üblich. Das vieldiskutiert­e Bauernsterben im Bezirk scheint gebannt zu sein. Angerer ortete eine Trendwende. Die Zahl der Betriebe stagniere zwar, meinte Angerer, aber die Produktivität steige. Das spiegle sich in vermehrten Investitionsanträgen wider. Um- und Zubauten an landwirtschaftlichen Betrieben stünden an, um jungen Landwirten ein Weiterkommen zu sichern. Zum großen Teil natürlich im Nebenerwerb, aber mit umso mehr Einsatz der jungen Bauern und Bäuerinnen, um Qualität an den Mann zu bringen. Dazu bräuchte es einen Schulterschluss aller Beteiligten, vom Landwirt über die Gastronomie bis zum Konsumenten, meinte er und sah die Entwicklung durchaus optimistisch.

Zum Pressegespräch geladen hatte der Bauernbund, der mit Obmann LHStv. Josef Geisler und Direktor Peter Raggl im Außerfern unterwegs war, um ein „Feedback" seiner Klientel zu erhalten.

In den letzten zwei Jahren habe die Direktvermarktung deutlich angezogen, meinte Geisler und sprach von einem großen Vertrauen, das die Tiroler Landwirte genießen würden. Es gelte in Hinkunft, diese kleinteiligen Strukturen zu schützen, auch über Tirol hinaus. Einen Österreichvorstoß unternimmt der Bauernbund mit der Aktion „Unser Essen: wo's herkommt". Damit wolle man ein klares Zeichen für eine unverzügliche Herkunftskennzeichnung setzen. Denn es sei für die bäuerlichen Lebensmittelproduzenten eine Überlebensfrage, dass die Konsumenten vermehrt zu heimischen Produkten greifen. (hni)