Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.12.2018


Bezirk Schwaz

Achenseebahn: Finanzspritze oder Ende nach 130 Jahren

Kapitalerhöhung soll erster Schritt aus dem Dilemma sein. In Jenbach regt sich Widerstand rund um das Projekt Elektrifizierung der Zahnradbahn.

© ZwicknaglVom Bahnhof Eben bis Seespitz ist eine Streckensanierung notwendig. Die Zeit drängt, wenn man im Mai die Saison starten will.



Von Walter Zwicknagl

Jenbach – Den Aufsichtsräten der Achenseebahn war nach ihrer Sitzung am Montag nichts zu entlocken. Dafür sprach aber gestern der Aufsichtsratsvorsitzende, Christian Kittl, Klartext. „Kapitalerhöhung oder Liquidierung ist die Kernfrage. Wenn wir es nicht schaffen, in den nächsten Monaten 1,8 Millio­nen Euro für die Flachstrecke vom Bahnhof Eben nach Seespitz und auch etwas für Weichen am Bahnhof Jenbach zu bekommen, gibt es keine Fahrsaison 2019“, sagt er trocken. Kittl stützt sich beim Streckenbefund auf die Expertise von Gunter Mackinger, dem ehemaligen Verkehrsdirektor der Salzburg AG. „Er hat uns bestätigt, was wir der Politik schon einige Zeit kommunizieren“, heißt es dazu. Noch im Jänner 2019 werde es eine außerordentliche Jahreshauptversammlung geben. Und das mit dem Ziel, den drei Gemeinden, die bisher rund 30 Prozent der Aktien halten, eine Mehrheit von über 50 Prozent zu geben. Eben so, wie es vom Land eingefordert wird. „600.000 Euro erwarten wir uns aus der Kapitalerhöhung. Es wäre ein Desaster, wenn wir im nächsten Jahr auf Betriebseinnahmen von rund einer Million Euro wegen fehlender Gleissanierung verzichten müssten. Damit wäre wohl das Ende der Bahn eingeläutet, und wir können zusperren“, setzt er nach. Kapitalerhöhungen hatte es schon in den Jahren 1984 und 2009 gegeben.

Inzwischen formiert sich in Jenbach ein Verein, der strikt gegen eine Elektrifizierung der Dampfzahnradbahn auftreten will. „Wir haben uns schon bei der Vereinsbehörde erkundigt“, lässt Christian Wirtenberger wissen. Er zweifelt an der technischen Machbarkeit und übt Kritik an den Fahrzeugen aus der Schweiz, die nicht behindertengerecht seien. Eigentlich brauche es den Taktverkehr gar nicht, weil es dafür keinen Kundenstock gebe, meint er.

Christian Kittl, AB-Aufsichtsratsvorsitzender: „Kapitalaufstockung oder Liquidierung ist für mich die Kernfrage rund um die Zukunft der Bahn.“
- Zwicknagl

„Entweder es gibt die große Kohle oder die Bahn ist am Ende“, meint ein Mitglied des Aufsichtsrates. Spätestens in zwei Wochen müsse der Planungsauftrag erfolgen, meint Kittl. Die Situation hält er zwar nicht für rosig, doch mit einigem Engagement machbar. Jedenfalls habe der Bund signalisiert, dass es wieder ein ordentliches mittelfristiges Investitionsprogramm geben könnte. Und das stimmt Kittl hoffnungsvoll.




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