Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.01.2019


Bezirk Kitzbühel

Vom fernen Japan in den Stall in Oberndorf

Werner Hofer hat sich vor elf Jahren der Aufzucht japanischer Wagyu-Kühe verschrieben. Nun gab’s wieder Nachwuchs.

Die Freude am Hof „Ried“ in Oberndorf war groß. Sora ist der jüngste Wagyu-Spross, über den sich auch die Kinder von Werner Hofer, Matthias und Florian, sehr freuen.

© AngererDie Freude am Hof „Ried“ in Oberndorf war groß. Sora ist der jüngste Wagyu-Spross, über den sich auch die Kinder von Werner Hofer, Matthias und Florian, sehr freuen.



Von Harald Angerer

Oberndorf i. T. – Unter Feinschmeckern und Gourmets ist ihr Fleisch heiß begehrt. Die japanischen Wagyu-Rinder sind für ihre ausgezeichnete Fleischqualität bekannt und daher eine ausgesprochene Delikatesse. In heimischen Breiten sind sie aber nur äußerst selten anzutreffen. Nicht ungewöhnlich ist ihr Anblick aber in Oberndorf, denn Werner Hofer hat sich seit elf Jahren der Zucht der besonderen Rinder verschrieben.

„Ich habe damals eine Reportage im Fernsehen über die Rinder gesehen und auch wie sie in Japan gehalten werden“, schildert Hofer und erzählt weiter: „Die dürfen sich dort nicht einmal bewegen, sind zum Teil in Netzen gehalten und bekommen Getreide zu fressen. Das hat mir nicht gefallen.“ Ihn hatte aber die Neugier gepackt und er wollte wissen, ob diese Kühe auch in Tirol geeignet wären. Gesagt, getan. „Ich hab’ mit einem Kalb begonnen“, sagt der Landwirt. Doch für das Vorhaben braucht es Geduld. „Es dauert dann drei Jahre, bis die Kuh dann ein Kalb bekommt und dann noch einmal drei Jahre, bis es daraus Fleisch gibt. Ich brauchte also weitere Rinder“, erzählt Hofer.

Am Anfang war aber vor allem die Neugierde der Antrieb, erst später stellte sich auch die Frage der Nutzung des Fleisches. „Das konnten wir ja nicht alles selber essen, langsam stieg aber auch in Österreich die Nachfrage nach Rindfleisch mit höherem Fettgehalt“, so der begeisterte Züchter. Doch die Hürden waren damit noch nicht genommen. „Dann brauchte ich einen Metzger, der die Tiere auch entsprechend aufarbeiten kann“, sagt Hofer. Gefragt sind beim Wagyu-Rind vor allem spezielle „Cuts“, wie die Fleischzuschnitte genannt werden. Hier wurde Hofer in Thiersee bei der Metzgerei Juffinger fündig. „Wir haben uns sofort verstanden“, sagt Hofer.

Erst dann konnte auch die Vermarktung beginnen. Dabei hat er Hilfe von einem absoluten Profi bekommen, von Grillspezialist Franz Größing. Er ist Gründer des Vereins „Grill-ABC“ und leitet die Weber Grill Akademie in St. Johann. Vor allem begeisterte Griller sind auch die große Käuferschicht der Oberndorfer Wagyu-Rinder. „Wir haben dann auch ein Grillseminar gemacht, um das Fleisch bekannt zu machen“, schildert Hofer.

Insgesamt leben nun schon sieben Mutterkühe auf dem Hof in Oberndorf und dazu kommen noch acht Ochsen. Erst kürzlich konnte man sich am Hof über ein verfrühtes Neujahrsbaby freuen. Vor wenigen Tagen kam das Kalb „Sora“ (jap. Himmel) zur Welt. Diese Rasse ist deutlich kleiner, das sieht man auch schon bei den Kälbern, so wiegt das Kalb lediglich 22 kg. Bis es geschlachtet werden kann, dauert es ganze drei Jahre, wie Hofer berichtet. Damit dauert es fast dreimal so lange, bis ein Ertrag aus dem Tier erzielt werden kann. Momentan sind es vor allem die Ochsen, die für die Fleischproduktion verwendet werden. „Wir wollen die Zucht weiter ausbauen, da brauchen wir die Kühe“, sagt der Landwirt. Mittelfristiges Ziel ist es, ein Tier pro Monat schlachten zu können. Derzeit sind es sechs bis sieben im Jahr. Die Nachfrage sei aber steigend. Über kurz oder lang soll komplett von Fleckvieh auf Wagyu-Rinder umgestellt werden.