Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.01.2019


Bezirk Reutte

Bankhaus-Abwanderung wäre für BM Konrad „sehr schade“

Der letzte Dominostein wackelt: Jungholz dürfte bald alle Banken los sein. Mit dem Bankhaus ginge der größte Kommunalsteuerzahler verloren.

Das Bankhaus Jungholz, eine Zweigniederlassung der Raiffeisenbank Reutte, war zwei Jahrzehnte die Cashcow des Instituts und bescherte Geldbewegungen und Einlagen in Milliardenhöhe. Längst ist alles anders.

© Bankhaus JungholzDas Bankhaus Jungholz, eine Zweigniederlassung der Raiffeisenbank Reutte, war zwei Jahrzehnte die Cashcow des Instituts und bescherte Geldbewegungen und Einlagen in Milliardenhöhe. Längst ist alles anders.



Von Helmut Mittermayr

Jungholz, Reutte – Wie gewonnen, so zerronnen. Jungholz, der Ort mit der ehemals größten Bankendichte der Welt (300 Einwohner, drei Banken) wird wohl bald wieder in das Vorvermögensanlagezeitalter zurückfallen. Zu Beginn der 1990er-Jahre entdeckten Banken – allen voran die Raiffeisenbank Reutte – die Exklave als den idealen Standort für Wertpapieranlage und Private Banking. Das Dorf partizipierte am Aufschwung kräftig mit – gerade die Kommunalsteuer der weit über 150 angestellten Banker brachte viele Jahre erkleckliche Einnahmen.

Mit dem Wegfall des österreichischen Bankgeheimnisses und somit dem Ende des Geschäftsmodells des Bankplatzes als Steueroase brachen die Geschäfte ein. Sowohl die Sparkasse als auch die Volksbank haben mittlerweile ihre Niederlassungen im kleinen Bergdorf wieder geschlossen. Nur der Platzhirsch, die Raiffeisenbank Reutte, hält mit dem Bankhaus Jungholz weiter die Stellung. Raiba-Vorstand Wolfgang Hechenberger denkt aber schon – wie berichtet – über eine Rückholung der 30 verbliebenen Mitarbeiter in die Zentrale nach Reutte ins Europahaus nach. Auch wenn noch nichts entschieden ist, wie er betont, scheint es angesichts einer Branche im Totalumbruch nur noch um das Wann und nicht mehr um das Ob zu gehen.

Die Jungholzer Bürgermeisterin Karina Konrad arbeitete selbst bei der Raiba Reutte in der Schweiz und in Reutte. Danach wechselte sie beruflich ins Allgäu und hat inzwischen 27 Jahre Erfahrung mit Genossenschaftsbanken. „Die großen Umwälzungen und notwendigen Einschnitte sind mir also nichts Fremdes. Etwa dass in der Vermögensanlage die Online-Aktivitäten immer stärker wachsen und der persönliche Kontakt, zumindest in der Bank selbst, an Bedeutung verliert. Trotzdem ist mir persönlich noch nicht bekannt, dass das Bankhaus Jungholz abgezogen werden könnte. Wenn das der Fall sein sollte, wäre es natürlich sehr schade für uns. Die Bank ist mit rund 30 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Ort, auch wenn kein Jungholzer dort beschäftigt ist.“

Die Bürgermeisterin will nun in jedem Fall das Gespräch mit dem Raiba-Vorstand suchen, um auszuloten, wie ernst und zeitnah die erstmals öffentlich geäußerten Überlegungen der Reuttener Raiba-Führung zu sehen sind. Und ja – Geschäfts- und Kundenessen der Banker seien in Jungholz (wegen Ruhetagen) zwar nicht immer, aber prinzipiell schon möglich, relativiert sie das Miniproblem.