Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.02.2019


Exklusiv

Gebühren sorgen für Ärger bei Innsbrucker Gastgartenbetreibern

Dass das Stehenlassen der Möbel in der Innenstadt künftig deutlich mehr kosten soll, treibt die Gastronomen auf die Barrikaden. Sollte die Stadt nicht einlenken, dann würde sich das auf die Preise auswirken.

Keine sonnigen Aussichten für Innsbrucks Gastgärten dieser Tage. Nicht nur durch das Wetter ist die Stimmung frostig. (Symbolfoto)

© Thomas Böhm / TTKeine sonnigen Aussichten für Innsbrucks Gastgärten dieser Tage. Nicht nur durch das Wetter ist die Stimmung frostig. (Symbolfoto)



Von Marco Witting

Innsbruck – Von der Gastgartensaison ist man in Innsbrucks Innenstadt dieser Tage weit entfernt. Und auch wenn bei nasskaltem Wetter niemand an einen Cappuccino in der Maria-Theresien-Straße denkt, bei den Wirten der Stadt kochen die Emotionen hoch. Grund dafür sind neue Gebühren, die für jene Betriebe gelten, die über Nacht ihre Möbel im Freien belassen dürfen.

Für Alexander Sterchele von der Bar Centrale ein absolutes Unding. „Hier werden für dieselbe Leistung zuerst 15 Euro pro Quadratmeter mehr verlangt. Und dann kostet das für das Stehenlassen noch obendrauf 70 Prozent.“ Für ihn bedeute das bis zu 4000 Euro mehr an Kosten. „So sind die Gastgärten nicht überlebensfähig. Weil das ja kein Zusatzgeschäft ist, sondern es verlagert sich nur alles von drinnen nach draußen.“ Die Konsequenz sei klar: „Auf Dauer geht das zu Lasten der Preise für die Kunden“, sagt Sterchele. Er ist damit nicht alleine. Helmut Oberschmidt von der Orangerie spricht von einer „seltsamen Vorgangsweise“ der Stadt. Bei ihm würden die Kosten von aktuell 7500 Euro für zehn Monate auf 13.000 Euro steigen, erklärt er. Ähnlich sieht es auch Stefan Schäfer vom Hard Rock Cafe. Was Sterchele besonders stört: Man sei der Stadt über Monate wegen den Verträgen nachgelaufen. Jetzt seien diese teilweise immer noch nicht da – die Gastgartensaison (zumindest der Zeitpunkt, ab dem man zu zahlen hat) beginne aber mit 1. Februar. Dass jetzt die ersten Verträge verschickt worden seien, das könne ein Druckmittel der Stadt sein. Der Gastronom sagt: „Es muss jetzt in den nächsten drei bis vier Wochen etwas passieren.“ Eine normale Preiserhöhung hätte man natürlich akzeptiert. Dass jetzt die Kosten um 70 Prozent steigen, will er aber nicht akzeptieren. „Das wird dazu führen, dass wir für die Getränke auf ein Preisniveau von München oder Salzburg kommen. Und das trifft vor allem die Einheimischen.“

Schon im Herbst hatten Innsbrucks Gastronomen gegen die neue Gastgartenrichtlinie der Stadt und die damit verbundenen Gebührenerhöhungen protestiert. In weiterer Folge kam es zu Verhandlungen und einige Punkte wurden entschärft. VP-GR Hannes Anzengruber sagt: „Wir haben hier im Sinne der Wirtschaft gekämpft und etwa eine Anpassung an den Verbraucherpreisindex erreicht. Ursprünglich sollten die Immobilienpreisentwicklungen hergenommen werden. Für mehr gab es keine politische Mehrheit.“

Aus dem Büro von Bürgermeister Georg Willi hieß es gestern auf Anfrage: „Wir haben mit den Betroffenen mehrfach kommuniziert und die Sache erklärt. Ziel war es, eine einheitliche Regelung für alle zu finden. Und darin soll es auch eine Gleichstellung geben zu jenen, die ihre Möbel mit viel Aufwand in der Nacht nicht draußen stehen lassen können. Deshalb hat man auch die Erhöhung beschlossen, um zu einer Kostenwahrheit zu kommen.“ Die jetzt verrechneten Gebühren seien aber noch „lange nicht das“, was eine Liegenschaftsbewertung kosten würde.