Letztes Update am Mi, 13.02.2019 10:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verkehrssicherheit

Lkw-Abbiegeassistenten: Für Tirol derzeit kein Thema

Wien hat zu Wochenbeginn angekündigt, den stadteigenen Fuhrpark mit Abbiegeassistenten ausstatten zu wollen. In Innsbruck „werde man alles prüfen“ was der Sicherheit dient.

© zeitungsfoto.at (Symbolfoto)



Wien, Innsbruck – Nachdem Wien den Anfang gemacht hat und 500 Lkw mit Abbiegeassistenten ausstatten will, wird eine solche Nachrüstung auch in mehreren Bundesländern geprüft. Noch gibt es derartige Systeme in keinem Bundesland. Klagenfurt will Abbiegeassistenten an neuen Stadt-Laster testen, auch die Stadt Salzburg ist interessiert, ebenso die Linz AG in der oberösterreichischen Landeshauptstadt.

Kein Thema sind Abbiegeassistenten, mit denen die Gefahr eines toten Winkel reduziert werden soll, in Tirol. Auch Niederösterreich wartet ab und möchte zunächst den von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) für Dienstag einberufenen Sicherheitsgipfel abwarten. In mehreren Bundesländern wird hingegen auf zusätzliche Spiegel und Rückfahrkameras gesetzt, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Großfahrzeuge mit Rückfahrkameras

Die Fahrzeuge des Landes Tirol seien mit einem komplexen Spiegel-System ausgestattet, hieß es auf APA-Nachfrage seitens des Landes. Dadurch würden die Fahrer auch schwer einsehbare Bereiche überblicken können. Der tote Winkel könne beispielsweise mithilfe eines stark gewölbten Spiegels bestmöglich eingesehen werden, hieß es. Während mit dieser Ausstattung bereits für ein hohes Maß an Sicherheit gesorgt werde, rüste das Land zusätzlich alle Großfahrzeuge laufend mit Rückfahrkameras aus, um die Sicherheit nochmals zu erhöhen.

Die Fahrzeuge des Landes seien im überregionalen Straßennetz unterwegs, damit sei das Risiko beim Abbiegen mit Radfahrern oder Fußgängerin in Berührung zu kommen sehr gering. In der Landeshauptstadt Innsbruck indes werde das Fuhrparkmanagement derzeit neu aufgestellt, teilte die zuständige Stadträtin Uschi Schwarzl (Grüne) mit. Dabei werde man auch „alles was der Sicherheit dient“ prüfen, fügte sie hinzu.

Landeshauptstädte prüfen Nachrüstung

Klagenfurt will Abbiegeassistenten an neuen Stadt-Laster testen. Baustadtrat Lukas Rößlhuber (NEOS) lässt die Nachrüstung der Fahrzeuge seines Ressorts prüfen. 40 bis 50 Fahrzeuge kommen infrage, sagte er zur APA. Über die Kosten einer Umrüstung konnte er noch keine Angaben machen. „Wir stehen erst am Anfang.“

Die Linz AG, die in der oberösterreichischen Landeshauptstadt u.a. die Müllabfuhr und den öffentlichen Verkehr betreibt, prüft derzeit den Einsatz von Abbiegeassistenten bei Lkw. Es wurden auch bereits erste Gespräche mit den Fahrzeugherstellern hinsichtlich der technischen Möglichkeiten geführt, teilte das Unternehmen mit.

In Eisenstadt sind die Lkw im Fuhrpark der Stadt alle mit zusätzlichen Spiegeln ausgerüstet bzw. nachgerüstet worden, erläuterte Rathaus-Sprecher Sebastian Handler. Einen Abbiegeassistenten habe keines der Fahrzeuge. Für einen nachträglichen Einbau kämen insgesamt neun Lkw infrage. „Wir werden schauen, ob der Einbau auch bei älteren Modellen technisch möglich ist“, so Handler. Bei Neuanschaffungen solle ein Abbiegeassistent aber auf alle Fälle Teil der Ausstattung sein.

Der steirische Verkehrslandesrat Anton Lang (SPÖ) erklärte auf APA-Nachfrage, dass für den Straßenerhaltungsdienst eine Prüfung beauftragt wurde, inwieweit Nachrüstungen beim eigenen Fuhrpark möglich sind: „Im Wissen, das jedes Jahr Menschen, vor allem Kinder, bei Abbiegemanövern schwer verletzt oder sogar getötet werden, ist die Nachrüstung von Lkw-Abbiegeassistenten ein Gebot der Stunde.“ Seitens der Holding Graz - zu denen die städtischen Dienstleistungsunternehmen gehören - hieß es, man prüfe die Nachrüstung bei den alten Fahrzeugen. (APA)

Abbiegeassistenten Typen

Kamera: Ein Kamerabasierendes System nutzt eine Weitwinkelkamera, welche vorne rechts am Lkw angebaut wird und auf dem Bild den gesamten Toten Winkel auf der rechten Seite zeigt. Dieser kann durch Signale wie Lenkeinschlag, Geschwindigkeit und Blinker aktiviert werden. Außerdem wird der Bereich rechts vor dem Fahrerhaus bis ca. 2 m hinter der Vorderachse von 4 Sensoren überwacht die eine Distanzanzeige bis zu 2,5 m im Fahrzeuginneren haben. Ein Hindernis wird erkannt und das System gibt ein akustisches und visuelles Signal aus.

Radar: Radarsysteme überwachen permanent den Bereich rechts neben dem Fahrzeug und erkennen sich bewegende Objekte. Dem Fahrer wird ein optisches Signal gegeben welches bei berechneter möglicher Kollision auf rot springt und ein zusätzlichen Warnton ausgibt. Daimler Benz Fahrzeuge könnten außerdem demnächst noch automatisch einbremsen.

Software: Softwarebasierende Systeme analysieren mit Hilfe einer Kamera in Echtzeit Farbveränderungen in der Bildfrequenz und erkennen so über einen Algorithmus Gefahren im „toten Winkel". Der Algorithmus unterscheidet dabei zwischen bewegten Objekten (bspw. Fahrradfahrer oder Fußgänger) und statischen Objekten (bspw. Ampeln, Masten oder parkende Autos). Quelle: Wikipedia