Letztes Update am Mi, 13.02.2019 14:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Studie

Integration in den Arbeitsmarkt bringt mehr Geld in die Staatskasse

Eine neue Studie hat die gesamtwirtschaftliche Aspekte der Einwanderung untersucht. Ab dem fünften Jahr sind asylsuchende und asylberechtigte Personen jährliche Nettozahler in das System.

SOS-Kinderdorf betreut seit Jahren junge Flüchtlinge.

© SOS-Kinderdorf/HechenbergerSOS-Kinderdorf betreut seit Jahren junge Flüchtlinge.



Innsbruck – „Auf die Frage, ob die Einwanderung und die Integration von Asylberechtigten gesellschaftspolitisch mehr Nutzen bringt, gehen die Antworten oft fundamental auseinander. Die Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) hat nun eine Studie verfasst, die bezogen auf Tirol die Einwanderung und Integration von Asylwerber und Asylberechtigten aus ökonomischer Perspektive und aus der Perspektive des Staates beleuchtet.

„Dabei wurden die Kosten des Staates für asylwerbende eingewanderte Personen jenen Abgaben, die von den eingewanderten Personen im Laufe ihres Aufenthaltes ins System eingezahlt werden, gegenübergestellt“, erläutert Studienautor Stefan Haigner.

„Ich bin sehr froh über diese Studie und deren Ergebnisse. Bisher wurden die tatsächlichen Auswirkungen der Einwanderung mit vielen Informationen, aber wenig Fakten dargestellt“, betonte die zuständige Landesrätin Gabriele Fischer bei der Präsentation der Studie am Mittwoch. Die Studie diene der Versachlichung der politischen Debatte, die bisher nur die Kosten der Einwanderung berücksichtigen würde.

Durchschnittliche Aufenthaltsdauer 4,1 Jahre

Bei den Berechnungen wurden auch jene Abgaben berücksichtigt, die sich aufgrund des gestiegenen gesamtwirtschaftlichen Konsums durch die Einwanderung ergeben. Denn die eingewanderten Personen konsumieren Güter des täglichen Bedarfs, dadurch entstehen zusätzliche Einkommen. „Diese führen zum einen Teil direkt zu höherer Abgabenleistung, zum anderen Teil fließen sie über Konsum und Investitionen in den Wirtschaftskreislauf zurück und lösen so wiederum zusätzliche Einkommen und Abgaben aus“, so Haigner

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von asylsuchenden und asylberechtigten Personen in Tirol beträgt 4,14 Jahre, sodass diese im Schnitt insgesamt um 3719 Euro mehr an Transfers erhalten, als sie an (erwerbsbezogenen) Steuern- und Abgaben abführen. Allerdings führten die damit verbundenen Konsumausgaben im Zeitraum 2005 bis 2017 zu einem zusätzlichen jährlichen Bruttoregionalprodukt in Tirol von 28 Mio. Euro und einer zusätzlichen Beschäftigung von 367 Jahres-Vollzeitäquivalenten. Das bedeute, dass die mit dem zusätzlichen Regionalprodukt und der zusätzlichen Beschäftigung verbundenen fiskalischen Rückflüsse höher sind als die Transfers, die die asylsuchenden und asylberechtigten Personen netto – also nach Abzug ihrer abgeführten Abgaben – vom Staat erhalten würden.

Ab dem fünften Jahr Nettozahler

Bemerkenswert sei, dass ab dem fünften Jahr ihres Aufenthaltes die jährliche Summe an abgeführten Steuern- und Abgaben die jährliche Summe an erhaltenen Transfers übersteigt. „Das heißt, ab dem fünften Jahr sind asylsuchende und asylberechtigte Personen jährliche Nettozahler in das System“, erläutert Haiger weiter aus. Für jene eingewanderten Personen, die mindestens 13 Jahre in Tirol leben, sind die über die gesamte Aufenthaltsdauer geleisteten Abgaben höher als die Summe der erhaltenen Transfers.

Integration in den Arbeitsmarkt essentiell

Je höher das Beschäftigungsausmaß, desto niedriger seien die Transferleistungen. Aus diesem Grund wäre die möglichst rasche Integration in den Tiroler Arbeitsmarkt von besonderer Bedeutung. Denn einerseits reduziere sich dadurch die Höhe der Transferzahlungen vom Staat und andererseits würden sich so die Steuern und Abgaben an den Staat erhöhen. (TT)

Studienautor Stefan D. Haigner und Soziallandesrätin Gabriele Fischer
Studienautor Stefan D. Haigner und Soziallandesrätin Gabriele Fischer
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