Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 21.03.2019


Bezirk Reutte

„Wohlstand sichern geht nur mit Öffnung nach außen“

Der „Josefitag“ ist traditionell der Termin für die Zunftfeier in Bichlbach. Festredner Missethon erhob die Stimme für eine notwendige Zuwanderung.

Der langjährige Weggefährte von Altdekan Msgr. Ernst Pohler, Pfarrer Donatus Wagner (l.), nahm für den verhinderten Geistlichen den Sozialpreis aus den Händen von Dekan Franz Neuner entgegen.

© Hans NikolussiDer langjährige Weggefährte von Altdekan Msgr. Ernst Pohler, Pfarrer Donatus Wagner (l.), nahm für den verhinderten Geistlichen den Sozialpreis aus den Händen von Dekan Franz Neuner entgegen.



Von Hans Nikolussi

Bichlbach – Aus 286 Gewerbetreibenden und Handwerkern aus dem Außerfern rekrutiert sich die Zunftbruderschaft St. Josef mit ihrem Sitz in Bichlbach. Am traditionellen Festtag der Zunftbrüder, an „Josefi“, trifft man sich immer bei der Bruderschaftsversammlung. Das Dorfheim konnte die Besucher kaum fassen. Kurzfristig musste für weitere Sitzgelegenheiten gesorgt werden, so groß war der Andrang. Die Vereinigung, die sich 1977 neu gründete, hat es sich zur Hauptaufgabe gemacht, die älteste Zunftkirche im deutschsprachigen Raum, St. Josef, auf dem Hügel über dem Dorf zu erhalten, das Zunftmuseum in Bichlbach zu betreuen und beides einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der geschäftsführende Präsident Paul Strolz und Zunftprobst Lorenz Wacker legten Rechenschaft über Aktivitäten und Finanzen im abgelaufenen Jahr ab, der gesamte Vorstand wurde einstimmig entlastet.

Als Festredner setzte sich Hannes Missethon, der ehemalige ÖVP-Generalsekretär, mit den Problemen der aller Orten fehlenden Facharbeiter auseinander. Sein Lösungsansatz: die Rekrutierung von spanischen Jugendlichen für den heimischen Arbeitsmarkt. Mit dem Projekt „Talents for Europe – Fachkräfte für Tirol“ beschreitet die Talenteentwicklung Missethon GmbH nun einen völlig neuen Weg, um kompetente Mitarbeiter auch für das Außerfern zu gewinnen und vor allem geeignete Lehrlinge zu finden. Missethon, der nach seiner Politkarriere und einer „Findungsphase“ ein neues Betätigungsfeld gefunden hat: „Da in Spanien nach wie vor eine hohe Jugendarbeitslosigkeit herrscht, möchten wir motivierte Jugendliche für eine Lehre in Tirol begeistern. Eine duale Ausbildung wie in Österreich ist auf der Iberischen Halbinsel nicht bekannt, doch wir ermöglichen ihnen diese Form der Berufsausbildung und legen so den Grundstein für künftige Facharbeiter.“

Den Wohlstand zu sichern, gelinge nur mit einer Öffnung nach außen und einer qualifizierten Zuwanderung, war sein Credo. Allein die demografische Entwicklung in Österreich verlange Zuwanderung in größerem Stil. Menschen aus Europa zu animieren, beruflich in unser Land zu kommen, sei somit ein Gebot der Stunde. Berührungsängste müssten abgebaut, die Möglichkeiten zur Integration wesentlich verbessert werden. Es gelte auch die Bildungseinrichtungen noch weiter zu öffnen. Warum sollte nicht gerade das Außerfern in dieser Richtung einen Anfang machen, stellte Missethon die Frage und beantwortete sie auch gleich selbst: „Das Außerfern könnte durchaus eine ,Lehrwerkstatt‘ Europas werden.“ Im Herbst werden die ersten sechs spanischen Lehrlinge in zwei Außerferner Industriebetrieben beginnen.

Dass fundierte Ausbildung Grundstein für solide Facharbeit ist, demonstrierte der Pinswanger Tischlermeister Armin Kofler (r.) mit dem Meisterstück „Goldenes Dachl“ dem beeindruckten Festredner Hannes Missethon.
Dass fundierte Ausbildung Grundstein für solide Facharbeit ist, demonstrierte der Pinswanger Tischlermeister Armin Kofler (r.) mit dem Meisterstück „Goldenes Dachl“ dem beeindruckten Festredner Hannes Missethon.
- Hans Nikolussi

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Männergesangsverein Reutte, der Sozialpreis ging im Beisein aller bisherigen Preisträger an Altdekan Mons. Ernst Pohler. Die Laudatio für den wegen einer kurzfristig notwendig gewordenen, gut überstandenen Operation abwesenden Geehrten hielt wie die Messe in der Zunftkirche Dekan Franz Neuner.




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