Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 28.03.2019


Bezirk Schwaz

Logistikzentrum: “Wir sind in Vomperbach viel mehr betroffen“

Nicht nur in Vomp regt sich Widerstand gegen das Logistikzentrum von Schenker. Auch Terfener fürchten Verschlechterung der Lebensqualität.

Rund 80 Zuhörer kamen zum Infoabend rund ums geplante Logistikzentrum nach Terfens.

© FankhauserRund 80 Zuhörer kamen zum Infoabend rund ums geplante Logistikzentrum nach Terfens.



Von Eva-Maria Fankhauser

Terfens – Wer meint, dass das geplante Logistikzentrum von DB Schenker auf Vomper Gemeindegrund nur die Vomper zunehmend beschäftigt, der irrt. Und zwar gewaltig. Denn nur wenige Meter weiter wohnen zahlreiche Terfener bzw. Vomperbacher, die sich übergangen fühlen. „Wir sind viel mehr betroffen als die Vomper“, sagte ein Terfener am Dienstag beim Infoabend der Transitforumgruppe „Xund’s Vomp“. Ein anderer meinte: „Wir Vomperbachler haben zwei Schotterwerke und die Autobahn vor der Nase, der Wald ist weg und jetzt noch das. Ich mag nicht mehr.“

Die Stimmung im Sitzungssaal reichte von hoffnungsvoll bis verärgert oder engagiert. Viele der rund 80 Anwesenden wollen sich einbringen. „Vielleicht sollten wir ein eigenes Gutachten erstellen? Oder eine alternative Lösung vorbringen“, sagte eine Terfenerin. Es wurden Sorgen wegen mehr Lärm, schlechterer Luft, mehr Feinstaub und Gesundheitsrisiken laut. „Ich will unser lebenswertes Vomperbach erhalten“, sagte ein Terfener. Ein anderer wollte wissen, was man überhaupt als Nachbargemeinde tun könne. Fritz Gurgiser vom Transitforum schlug vor, den Gemeinde- und Landespolitikern die Anliegen nahezubringen. „Man sieht an diversen Beispielen in Tirol, dass sich die Bürger einbringen und Projekte verhindern oder umgestalten können“, sagte er. Gerhard Steinlechner von Xund’s Vomp erklärte, dass selbst nach dem Widmungsbeschluss des Gemeinderates noch sechs Wochen Zeit sei, um Einwände vorzubringen. Jeder könne eine Stellungnahme abgeben.

Ein Bürger wollte wissen, wie die Stimmung im Vomper Gemeinderat betreffend das Logistikzentrum aussieht. GR Stephanie Jicha war unter den Zuhörern und erklärte, dass die Grünen sich dagegen aussprechen. Wie es bei der SPÖ aussehe, wisse sie nicht. „Aber die ÖVP hat die Mehrheit. Um das Projekt zu verhindern, müssten zwei ÖVP-Mandatare mit der Opposition zusammen dagegen stimmen“, sagte Jicha. Sie wünsche sich, dass der Gemeinderat gemeinsam mit den Bürgern ein Projekt entwickle. Doch danach sieht es derzeit nicht aus.

„Ich merke heute, dass sehr viele gegen das Projekt sind“, meldete sich BM Hubert Hußl aus Terfens zu Wort. Er könne die Sorgen verstehen, aber man müsse auch sehen, dass, wenn Schenker nicht dort angesiedelt wird, andere Unternehmen kommen werden. „Eines ist klar: Terfens wird sich vehement wehren, wenn es um Lärm geht und die Gutachter sagen, dass sich die Situation für uns verschlechtert“, so Hußl.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Ein Zuhörer fühlte sich außen vor gelassen. „Man hat uns vergessen. Wenn beim Logistikzentrum eine Riesen-lärmschutzwand gebaut wird, dann haben wir den Lärm am Weerberg oben, der zieht zu uns herauf. Wir sind genauso betroffen. Wir lassen uns das nicht gefallen“, sagte der Weerberger. Er lockerte dann auch die Stimmung etwas auf, indem er einen alternativen Nutzungsvorschlag einbrachte: „Ich kenne einen Christbaumverkäufer, der pflanzt euch das Areal zu, dann wird die Luft auch besser.“

Aber es gab nicht nur Stimmen gegen das Logistikzentrum. Ein Vomperbacher, der bei Derfeser arbeitet (auf dessen Areal das Logistikzentrum entstehen soll), entkräftete Gerüchte über 20 Meter hohe Lärmschutzwände und erklärte, dass kaum ein Unternehmen so viel Geld in den Fuhrpark investiere oder so gegen die Staubbelastung ankämpfe. „Es ist nicht der beste Platz, aber es werden zwei Standorte zusammengeschlossen und sonst kommt eben etwas anderes“, sagte er. Gurgiser betonte auch: „Kämpfts nit gegen Derfeser oder Schenker, sondern für eure Gesundheit.“ Und das wollen die Betroffenen auch tun.