Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 01.04.2019


Bezirk Schwaz

Mit nostalgischen Bahnen und Kesseln auf Du und Du

Maschinenbaumeister und Schweißtechnologe aus Achenkirch sorgt für Neubau von Waggons für die Schafbergbahn im Salzkammergut.

Zufrieden war die Betriebsleitung der Schafbergbahn mit den Waggonaufbauten im Jahr 2016.

© ZwicknaglZufrieden war die Betriebsleitung der Schafbergbahn mit den Waggonaufbauten im Jahr 2016.



Von Walter Zwicknagl

Achenkirch – In der Werkstätte der Achenseebahn fertigte Christian Narr aus Achenkirch vor drei Jahren mit einem kleinen Team die Aufbauten für zwei Waggons der Schafbergbahn am Wolfgangsee. Und schon damals wurde von Folgeaufträgen geredet. Seit Mitte März ist es fix: Der Tiroler wird weitere zwei Waggons bauen. „Diesen Auftrag an Land zu ziehen, war gar nicht leicht“, erzählt Christian Narr, der bis März nächsten Jahres die Wagen zu liefern hat. Dabei handelt es sich immerhin um einen Auftrag in der Höhe von 750.000 Euro, wie der Maschinenbaumeister und gefragte Schweißtechnologe, der seinen Firmensitz in Achenkirch hat, verrät.

In Bowil im Schweizer Kanton Bern werden die Fahrgestelle gefertigt, für die Aufbauarbeiten aus Aluminium mit allem Drum und Dran sorgen im polnischen Branice die Gebrüder Peter und Paul Literski, mit denen Christian Narr seit Jahren gute Erfahrungen macht. Mit an Bord ist für den kaufmännischen Teil der Steirer Bernhard Trummer. „Wir kennen uns seit gemeinsamen Arbeiten in England, wo es um die Sanierung des Schienennetzes ging“, berichtet der agile Tiroler, während er einen Kesselplan aus dem Jahr 1897 aus dem Regal holt. Und so nebenbei lässt er wissen, dass er technischer Kommissar im Club 760 ist. Dieser trägt Sorge für 15 funktionsfähige Lokomotiven. Dazu zählt auch die stärkste Dampflok der Zillertalbahn.

Dass es einmal um Metall und das Schmiedehandwerk gehen werde, habe er schon in seiner Hauptschulzeit gewusst, stellt der 44-jährige Achenkircher trocken fest. Heute sind Dampfkessel und schwierige Nietarbeiten sein Metier. Bei der Chiemseebahn hat er gerade den Rahmen eines Güterwagens genietet, bei der Achenseebahn war er mit Revisionsarbeiten an zwei Dampfkesseln beschäftigt. Und eine Herausforderung war für ihn die Produktion von Hemmschuhhaltern für die Siemens-Lok Vectron. Dass er im Normenausschuss für Eisenbahninstandhaltung sitzt, ist aus seiner Sicht ein großes Plus. Denn damit wisse er, was auf diesem Sektor Sache ist. „Einer meiner Schwerpunkte ist die Prüftechnik“, sagt der Chef der MZA Schienenfahrzeug GmbH in Achenkirch. Zu den Aufträgen rund um die Schafbergbahn kam er vor einigen Jahren im Rahmen einer Kesselreparatur in St. Wolfgang. Dass er den Bau weiterer Waggons für die Schafbergbahn zugesichert bekam, freut ihn. Bis zum Jahr 2024 werden es dann zehn Waggons sein. Jetzt aber ist der Maschinenbaumeister und Schweißwerkmeister mit der Musterzulassung der zwei Wagen beschäftigt. Und wie könnte es anders sein: Auch Sohn Raphael will sich auf den Maschinenbau konzentrieren.

Christian Narr (links) und Bernhard Trummer mit dem Plan für neue Waggons der Zahnradbahn im Salzkammergut.
Christian Narr (links) und Bernhard Trummer mit dem Plan für neue Waggons der Zahnradbahn im Salzkammergut.
- Zwicknagl