Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.04.2019


Exklusiv

Golfsport plagen Nachwuchssorgen

Einst weckten Golfplätze in Tirol Begehrlichkeiten der Touristiker und den Widerstand der Bevölkerung. Heute ist es ruhig geworden. Der Sport selbst kämpft gegen Überalterung und die eigenen Ansprüche.

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Von Anita Heubacher

Innsbruck – Golfplätze waren einst einer der gröberen Zankäpfel in der Tiroler Landespolitik. Die Begehrlichkeiten der Touristiker waren hoch, der Widerstand der Bevölkerung ebenso. Der Andrang ist zurückgegangen. Derzeit sei nur ein Verfahren für einen neuen Golfplatz im Ötztaler Sautens anhängig, heißt es aus dem Büro von Raumordnungslandesrat Johannes Tratter.

2016 wurde das Tiroler Golfplatzprogramm festgezurrt, 21 Golfclubs gibt es, vor allem im Raum Kitzbühel ist Golf ganz groß. Bzw. mancherorts war er es.

In Kössen lag der dortige Golfplatz der Gemeinde schwer im Magen. Auf das Green hatten sich in den letzten Jahren immer weniger Spieler verirrt. „Wir hatten einmal ein gutes Restaurant, mit Mitarbeitern und einem guten Pächter. Dann wurde über Jahre nichts mehr investiert, ein Hotel hätte kommen sollen, tat es aber nicht“, erzählt der Kössener Bürgermeister Reinhold Flörl. Der Golfplatz ist in der 4500 Einwohner starken Kommune ein dominantes Terrain. „Wenn dort nichts läuft, ist das für die ganze Gemeinde schlecht.“ Ein neuer Eigentümer soll nun den Golfplatz wiederbeleben. „Wir haben die Widmung auf 30 Jahre verlängert“, sagt Flörl. „Zum Glück“, fügt der Bürgermeister an. Ab 1. Mai soll Martin Unterrainer, erfolgreicher Hotelier aus Erpfendorf, dem Golfplatz neues Leben einhauchen. „Nach dem Niedergang den Aufbau zu schaffen, ist schwer“, sagt Unterrainer. Der Hotelier hat sich schon einige Aktionen einfallen lassen, um das Kunststück der Auferstehung zu schaffen. „Die Jugend muss man für Golf begeistern, sonst entsteht das Vakuum, das wir jetzt haben.“ In sein Hotel käme nur ein Viertel der Gäste zum Golfen, aber für die Region sei Golf eine der wichtigsten Infrastrukturen.

Anders als bei Tennishallen läuft die Golf-Infrastruktur nicht Gefahr, zur sündteuren Ruine zu werden, wenn das Interesse am Sport nachlässt. Leere Plätze will dennoch keiner. Die Erhaltung der Golfplätze bei niedriger Frequenz hat bereits so manchen Betreiber in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Der Golfplatz Eichenheim Kitzbühel-Aurach wies beispielsweise 2016 einen Bilanzverlust von 2,3 Millionen Euro aus, im Jahr zuvor betrug er 2,4 Millionen Euro. Die russische Milliardärin Elena Baturina hatte die Liebe zu Hotel samt Golf in Kitzbühel-Aurach entdeckt. Das Investment wollte jedoch für die Frau des Moskauer Bürgermeisters nicht aufgehen. Eine Beteiligungs-GmbH sprang ein.

Die Tirol Werbung fährt seit Jahren das Thema Golf und hat eine Marketinggruppe zusammen mit Salzburg entwickelt. Dass in den Hauptmärkten Österreich, Deutschland, Schweiz 59 Prozent der Golfer jenseits der 50 Jahre alt sind und der Sport mit veritablen Nachwuchssorgen kämpft, hält die Tirol Werbung nicht von ihrem Engagement ab. „Das Thema Golf bildet gegenüber sommerlichen Kernthemen wie Wandern und Radsport zwar eine Nische, aber eine mit hoher Wertschöpfung, die für die Regionen mit Golfplätzen wirtschaftlich relevant ist“, sagt der neue Chef der Tirol Werbung, Florian Phleps. Der Golfer gebe mehr Geld aus als der Durchschnittstourist und zähle vielfach zu gesellschaftlichen Meinungsbildnern. „Die damit verbundenen Werbemaßnahmen finden im gleichen Umfang statt wie in den vergangenen Jahren.“

Ein Golfplatz, der die Politik, nämlich die Stadtpolitik beschäftigt, ist jener in Innsbruck-Igls. Die Betreiber wollen erweitern, das spaltet den Innsbrucker Gemeinderat. Die Gegner wollen keine Ausweitung des Platzes, weil sie fürchten, dass dadurch die Naherholung für die Gesamtbevölkerung leidet, die Befürworter erkennen einen Bedarf und eine Attraktion. „Wir wollen nicht auf 18 Loch erweitern, sondern zwei Neun-Loch-Anlagen“, erklärt Clubmanagerin Petra Volgger. 18-Loch würden ältere Golfer nicht mehr schaffen und die jüngeren abschrecken, weil der Kurs zu zeitintensiv sei. „Wir wollen der Einsteigerclub sein für die schnelle Runde zwischendurch.“

600 bis 700 Mitglieder hat der Club. „Zehn Prozent lassen es pro Jahr, zehn Prozent kommen dazu“, sagt Volgger. Die Probleme des Sports kennt sie nur zu gut. Viele Clubs seien noch zu elitär, würden durch Einschreibgebühren Hemmschwellen aufbauen, und nicht zuletzt die Etikette schrecke viele ab. Dass Plätze verwaisen, glaubt Volgger nicht. „Der Markt ist stabil“, meint sie.

Viel Zeit, viel Geld, 20 Athleten

Auf dem Weg zum Profi-Golfer sind derzeit insgesamt knapp 20 Athleten in den Altersklassen U10 bis U18. Es gibt zwei Tiroler Golfer im Nationalteam und mit Maximilian Steinlechner ein internationales Tiroler Aushängeschild.

Der Tiroler Golfverband ist zwar mit 12.000 Mitgliedern ein relativ großer Verein, ringt aber seit Jahren um den Nachwuchs. „Die Talfahrt haben wir hinter uns", sagt Jugendreferentin Anna Kogler. Der Golfverband sei umtriebig, habe zwei tolle Pros engagiert und mache viel Jugendarbeit, „aber wenn nichts nachkommt, ist es schwer". Vor allem die Mädchen hätten in den letzten Jahren ausgelassen. Nun habe sich die Nachfrage wieder etwas eingependelt.

Kogler zählt viele Gründe auf, warum sich der Golfsport mit dem Nachwuchs schwertut. Der Sport sei sehr schwierig, sehr zeit- und kostenintensiv. „Ein Golfturnier dauert fünf Stunden. Das für Kinder ist auf drei Runden und damit auf drei Tage angelegt." Für die Eltern sei das ein enormer Aufwand. „Wenn die keinen Bezug zum Golf haben, nehmen sie das nicht in Kauf."

Nur rund ein Viertel der 20 Golfclubs betreibe Jugendarbeit. Auch ein Grund, warum sich so wenige Jugendliche begeistern würden. Kogler schlägt vor, die Eingangshürden zu senken. „Das Spiel gehört beschleunigt. Es braucht neue Golfregeln." Und noch ein allgemeines Phänomen benennt Kogler: Kinder seien motorisch weit weniger geübt als noch vor einigen Jahren. „Das macht unseren kleinen Kreis an potenziellen Kandidaten noch kleiner."

Alter: 59 Prozent der Golfer in Österreich, Deutschland und der Schweiz sind älter als 50 Jahre.
Wachstum. Der Anteil der über 50-Jährigen verzeichnet ein Plus, der der Jüngeren sinkt. Gesamthaft wächst der Markt nur noch bedingt.
Anteil: Vier Prozent der Urlauber in Österreich kommen zum Golfspielen. 156 Golfclubs gibt es.
Reich und G'scheit. Golfer geben im Schnitt 20 Euro pro Tag mehr aus als andere Gäste. 57 Prozent der Golfer haben mindestens Matura.
Stammgäste: Der Golfer bleibt im Schnitt 6,5 Tage. 56 Prozent der Golfer sind Stammgäste.